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Was ist das Vorstag auf einer Yacht?
Das Vorstag gehört zum stehenden Gut. In der Praxis ist es ein Drahtseil, das den Mast von vorn hält: Es verläuft vom Bug zum oberen Teil des Mastes. Von hinten hält den Mast meist das Achterstag, seitlich die Wanten, die von Salingen abgespreizt werden. Zusammen halten sie ihn also von vier Seiten. Auf einer Charteryacht arbeitet am Vorstag meistens eine Fock auf einer Rollanlage.
Am Bug ist das Vorstag an einem Beschlag befestigt, dem Vorstagbeschlag, oben am Mast: ganz im Masttopp oder etwas tiefer, je nach Bauweise. Früher fertigte man Vorstage aus Hanftauwerk, später aus verzinktem Stahl. Heute ist es meist Edelstahl. Die Aufgabe ist einfach. Das Vorstag verhindert, dass der Mast nach hinten kippt, und hält ihn zusammen mit den übrigen Drähten senkrecht, wenn die Segel im Wind arbeiten.
Die Leinen an Bord teilen sich in zwei Familien. Das laufende Gut, also Fallen und Schoten, holst du während des ganzen Törns dicht und fierst es wieder. Das stehende Gut (Vorstag, Achterstag, Wanten) steht unter Spannung und wird normalerweise nicht angefasst. Ein vollständiges Glossar der Arbeitsleinen findest du im Beitrag darüber, wie die Leinen auf einer Yacht heißen.
Worin unterscheiden sich Vorstag, Achterstag, Wanten und Salinge?
Mast, Leinen und Segel zusammen nennen Segler die Takelage. Ihr fester Teil, das stehende Gut, hält den Mast von vier Seiten.
- Das Vorstag hält den Mast vom Bug aus. Ohne es würde der Mast nach hinten fallen.
- Das Achterstag verläuft vom Masttopp zum Heck und verhindert, dass sich der Mast nach vorn neigt. Nicht jede Yacht hat eins. Es gibt Riggs ohne Achterstag, bei denen nach achtern gepfeilte Wanten und Salinge diese Aufgabe übernehmen.
- Die Wanten sind die seitlichen Drähte vom Mast zu den Beschlägen an der Bordwand. Sie nehmen die Last auf, wenn die Yacht mit Krängung segelt.
- Die Salinge sind starre Spreizen am Mast, je eine auf jeder Seite. Sie drücken die Wanten nach außen, sodass der Draht den Mast in einem günstigeren Winkel hält.
Die Drähte des stehenden Guts haben unten Wantenspanner oder ähnliche Spannvorrichtungen. Damit wird die Spannung des gesamten Riggs eingestellt. Beim Chartern rührst du sie nicht an, dazu weiter unten mehr.
| Element | Wo es sitzt | Was es macht | Fasst du es beim Chartern an? |
|---|---|---|---|
| Vorstag | Vom Bug zum oberen Teil des Mastes | Hält den Mast von vorn | Nur beim Mastlegen, nach Anleitung des Bootsmanns |
| Achterstag | Vom Masttopp zum Heck (nicht auf jeder Yacht) | Hält den Mast von hinten | Nein |
| Wanten | Vom Mast zu den Beschlägen an der Bordwand | Halten den Mast seitlich | Nein, auch nicht beim Mastlegen |
| Salinge | Spreizen auf beiden Seiten des Mastes | Spreizen die Wanten ab, verbessern ihren Winkel | Nein |
| Fockroller | Trommel am Vorstag auf dem Bug, Leine ins Cockpit | Rollt die Fock ein und aus | Ja, bei jedem Setzen und Bergen der Fock |
| Talje zum Mastlegen | Auf dem Bug, Bauart je nach Modell | Ermöglicht kontrolliertes Ablassen und Aufrichten des Mastes | Ja, vor jeder niedrigen Brücke, so wie der Bootsmann es gezeigt hat |
Wie funktionieren Rollfock und Profilvorstag?
Auf Charter-Segelbooten setzt kaum jemand die Fock aus dem Segelsack. Sie wird auf einer Rollanlage aufgerollt. Unten am Bug sitzt eine Trommel, von der eine Leine ins Cockpit führt. Ziehst du an der Leine, wickelt sich die Fock zu einer festen Rolle auf. Fierst du die Leine und holst die Fockschot dicht, rollt sich die Fock aus.
Es gibt zwei Varianten. Bei der einfacheren hat die Fock im Vorliek ein eigenes Seil und dreht sich um dieses, direkt hinter dem Vorstag. Bei der zweiten, der Rollfock mit Profilvorstag, ist über das Vorstag ein Profil mit einer Nut geschoben. Das Vorliek der Fock läuft in dieser Nut, und das ganze Profil dreht sich mit dem Segel. So eine Fock baucht sich am Vorliek weniger aus. Man kann sie bei mehr Wind auch teilweise einrollen, wobei eine stark gereffte Fock spürbar schlechter zieht.
Welche Variante eine bestimmte Yacht hat, siehst du bei der Übernahme, oder du fragst den Eigner vor der Buchung. Für Masuren reicht die eine wie die andere.
Ein Tipp aus der Praxis. Wenn der Roller schwergängig ist, nicht stärker ziehen. Meist hat sich die Leine in der Klemme verhakt, die Schot hängt irgendwo an Deck fest oder ein Fall hat sich um das Vorstag gewickelt. Halt an, schau nach oben und zum Bug. Eine abgerissene Trommel oder eine zerrissene Fock mitten in der Woche ist ein größeres Problem als fünf Minuten Nachsehen.
Wann legt man in Masuren den Mast, und was passiert dann mit dem Vorstag?
Auf See denkt man selten ans Vorstag. In Masuren regelmäßig, denn auf der Route stehen niedrige Brücken, unter denen die Yacht mit an Deck gelegtem Mast hindurchfährt.
Ein paar Beispiele aus unseren Revierführern. Die feste Brücke über den Kanał Piękna Góra liegt auf der westlichen Variante vom Niegocin über den Tajty zum Kisajno-See. Die Brücke von Sztynort (Most Sztynorcki) wartet auf der Passage vom Dargin zum Kirsajty, beschrieben im Revierführer zu Sztynort, Dargin und Dobskie. Dazu kommen niedrige Brücken über die Kanäle auf der Strecke von Giżycko nach Mikołajki: 37,2 km und fünf Kanäle, mehr dazu im Beitrag über den Tałty-See.
Der gelegte Mast ruht auf dem Mastbock, einer Stütze am Heck. In den Angeboten auf NaCzarter für die Saison 2026 haben 86 von 125 Segelbooten von 13 Eignern einen Mastbock zum Mastlegen.
Wie sieht das in der Praxis aus?
Der Mast wird nach hinten auf den Mastbock gelegt. Das Vorstag wird gelockert oder ausgehakt, so wie es der Bootsmann bei der Übernahme gezeigt hat, und der Mast kommt langsam an der Talje herunter. Die Wanten bleiben, wo sie sind. Vorher muss man die Lazy Jacks lockern oder zusammenbinden, also die Leinen, die das Großsegel beim Bergen auf den Baum legen. Sonst verheddern sie sich beim Ablassen. In den Angeboten auf NaCzarter für die Saison 2026 haben 120 von 125 Segelbooten von 16 Eignern Lazy Jacks, du wirst also fast sicher auch eins davon erwischen.
Die Sicherheitsregeln sind kurz. Niemand steht unter dem Mast. Eine Person hält die Talje fest und lässt sie nicht los, auch wenn etwas klemmt. Das erste Mal übst du im Hafen am Steg und nicht in der Warteschlange vor dem Kanal.
Ein Bild, das man an jedem Augustwochenende sieht: Mehrere Yachten warten vor einer niedrigen Brücke. Eine Crew legt den Mast flüssig und ohne ein Wort. Die andere faltet gerade erst den Zettel vom Bootsmann auseinander. Am Ende landet der Mast auf dem Mastbock, der Lazy Jack verfängt sich in den Salingen, und jemand im Cockpit stellt fest, dass der Mast in Masuren öfter liegt, als er gedacht hat.
Ehrlich gesagt: Der Ablauf unterscheidet sich von Modell zu Modell. Dieser Text erklärt das Prinzip, genau zeigt es dir der Bootsmann bei der Übernahme. Das erste Mastlegen im Kanal, ohne Übung und mit anderen Yachten hinter dem Heck, ist Stress. Deshalb übt man es vorher.
Warum heißt die Wende auf Polnisch „zwrot przez sztag“?
Wörtlich bedeutet das „Wende über das Vorstag“. Bei diesem Manöver geht der Bug der Yacht durch den Wind, also der Teil, an dem das Vorstag befestigt ist. So merkt man es sich am leichtesten. Wie du das Manöver fährst und worin es sich vom zweiten unterscheidet, beschreiben wir im Beitrag darüber, wie man Wende und Halse fährt.
Was solltest du bei der Übernahme am Rigg prüfen?
Du musst kein Rigger sein. Augen und eine Viertelstunde am Steg reichen.
- Splinte in den Wantenspannern. Unten an den Wanten (und am Vorstag, sofern es nicht vom Roller verdeckt ist) sollte jeder Spanner mit einem Splint oder Draht gesichert sein. Einen fehlenden Splint meldest du.
- Drähte an den Pressterminals. Schau dir die Stellen an, wo das Drahtseil in den Endbeschlag läuft. Einzelne gebrochene Drähtchen, die aus dem Seil abstehen, sind ein Zeichen von Verschleiß.
- Roller. Roll die Fock am Steg einmal aus und wieder ein. Sie sollte leicht laufen, ohne Ruckeln.
- Aufgerollte Fock. Die Rolle soll gleichmäßig und fest sein, ohne losen Segelzipfel, der im Wind flattert.
Was du nicht selbst machst: Du lockerst weder Wanten noch Achterstag und stellst nicht die Riggspannung ein. Das ist Sache des Eigners. Wenn etwas schlecht aussieht, trägst du es ins Übergabeprotokoll ein, so wie wir es im Ratgeber zur Yachtübernahme und zum Protokoll beschreiben. Ein Foto mit dem Handy schadet auch nicht.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Vorstag auf einer Yacht? Ein Draht des stehenden Guts, meist aus Edelstahl, der vom Bug zum oberen Teil des Mastes verläuft und ihn von vorn hält. Am Vorstag einer Charteryacht arbeitet in der Regel eine Fock auf einer Rollanlage.
Worin unterscheidet sich das Vorstag von den Wanten? Das Vorstag hält den Mast in der Längsachse der Yacht, vom Bug aus. Die Wanten halten ihn seitlich, von den Bordwänden aus, und werden von Salingen abgespreizt. Zusammen mit dem Achterstag bilden sie das stehende Gut.
Lockert man beim Mastlegen die Wanten? Nein. Gelockert oder ausgehakt wird das Vorstag, so wie es der Bootsmann zeigt, die Wanten bleiben. Die Details hängen vom Modell ab, deshalb gehst du den Ablauf immer bei der Übernahme mit dem Bootsmann durch.
Was ist ein Profilvorstag und eine Rollfock? Rollfock nennen Segler eine Fock, die auf einer Rollanlage aufgerollt wird, oft auch die Rollanlage selbst. Beim Profilvorstag ist über das Vorstag ein Profil mit einer Nut geschoben, in die das Vorliek der Fock eingezogen wird. Das ganze Profil dreht sich mit dem Segel.
Warum heißt die Wende auf Polnisch „zwrot przez sztag“? Weil der Bug durch den Wind geht, also die Seite, an der das Vorstag sitzt. Bei der Halse, polnisch „zwrot przez rufę“, geht das Heck durch den Wind.



