Das NaCzarter-Team
· Aktualisiert
Hinter Giżycko öffnet sich die Große Masurische Seenplatte erst richtig. Die engen Durchfahrten liegen achteraus, vor dem Bug breitet sich der Mamry-Komplex aus: der Dargin mit gut dreitausend Hektar Wasser, der stille, für Motoren gesperrte Dobensee — und über dem Dargin, auf einer Halbinsel, Sztynort. Der größte Yachthafen der Großen Masurischen Seen, und ein paar Gehminuten von der Pier ein Barockschloss, in dem ein halbes Jahrtausend lang die Lehndorffs saßen und im Krieg Ribbentrop Quartier bezog. Dieses Revier füllt entspannt zwei, drei Törntage: eine Nacht am Y-Ausleger, ein Spaziergang durch die Eichenallee zum Schloss, ein langer Schlag über den Dargin und ein Tag nur unter Segeln auf dem Dobensee.
Der neue Hafen Sztynort: über 450 Liegeplätze an Schwimmstegen
Der Hafen von Sztynort zählt heute über 450 Liegeplätze an Schwimmstegen mit Y-Auslegern — mehr als jeder andere Hafen der Großen Masurischen Seen. Das Anlegen zwischen zwei Auslegern hat einen handfesten Vorteil: Man fährt mit Bug oder Heck hinein, und das Boot liegt auch bei kräftigem Wind ruhig, ohne Heckanker-Akrobatik zur Wasserseite. Strom und Wasser am Steg sind im Liegegeld enthalten. Duschen und Sanitäranlagen ebenfalls — ohne Münzen, ohne Limit, und nach einer Woche auf dem Wasser macht genau das den Unterschied.
Slippen kostet ab etwa 50 Złoty, der Kran hebt bis zu 4 Tonnen, und im Sommer läuft eine Orlen-Wassertankstelle, saisonal geöffnet von 9 bis 21 Uhr. Es ist einer der wenigen Punkte im Norden des Reviers, an dem man direkt vom Wasser aus tanken kann. Betrieben wird der Hafen von der Nowy Sztynort Sp. z o.o. — aktuelle Preise und Informationen stehen auf der offiziellen Hafenseite.
Abends lebt der Hafen von seiner Gastronomie. Die Seglertaverne „Zęza" ist eine Institution — man findet kaum einen masurischen Segler, der von dort nicht mindestens eine Geschichte mitbringt. Daneben das Restaurant Baba Pruska und das Memuak Café, für den Kaffee vor dem morgendlichen Ablegen ist also gesorgt. Kaum ein anderer Hafen in Masuren verbindet über 450 Liegeplätze und volle technische Infrastruktur mit einem Abend in der Zęza und einem Barockschloss in Sichtweite.
Schloss Steinort — fünfhundert Jahre eine Familie
Vom Hafen zum Schloss Steinort geht man ein paar Minuten. Der barocke Kernbau entstand Ende des 17. Jahrhunderts, nachdem der Vorgängerhof 1656 abgebrannt war. Die Seitenflügel kamen 1829 hinzu, die neugotischen Ecktürme zwischen 1860 und 1880. Die Familie von Lehndorff besaß das Gut vom 15. Jahrhundert bis 1944/45 — fünfhundert Jahre in einer Hand, selbst für Ostpreußen eine Seltenheit.
Die letzten Jahre des Gutes sind ein dunkles, dichtes Kapitel. Ab 1941 lag in einem Teil des Schlosses das Feldquartier von Joachim von Ribbentrop, dem Außenminister des Reiches — die Wolfsschanze bei Gierłoż war schließlich nicht weit. Der letzte Hausherr, Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort, schloss sich der Verschwörung des 20. Juli 1944 gegen Hitler an. Er bezahlte dafür mit dem Leben — am 4. September 1944 wurde er im Gefängnis Berlin-Plötzensee gehängt. Er wohnte unter einem Dach mit Ribbentrop und konspirierte gegen dessen Herrn; kaum eine Adresse in Masuren trägt eine solche Last.
Seit 2009 kümmert sich die Polnisch-Deutsche Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz um das Schloss, unterstützt vom Verein Lehndorff-Gesellschaft Steinort. Die Sanierung kommt voran: Am 15. November 2025 wurde die restaurierte Frontfassade des Hauptflügels enthüllt. Innen wird weiter gearbeitet, regelmäßige Besichtigungen der Räume gibt es nicht — das Schloss betrachtet man von außen: Hof, Park und die seit dem 17. Jahrhundert gepflanzte Eichenallee. Saisonal öffnet ein Informationspunkt, und die Stiftungen laden zu gelegentlichen Veranstaltungen; vor dem Törn lohnt ein Blick ins aktuelle Programm.
Dargin: viel Wasser und eine ernste Falle
Der Dargin misst 30,3 km² bei Tiefen bis 37,6 m — der größte See des gesamten Mamry-Komplexes, des alten Mauersees. Im Süden hängt er am Kisajno, im Westen führt die Enge Łabap zum Dobensee, im Norden geht es weiter zu den Kirsajty. Platz gibt es hier so viel, dass selbst an einem Augustwochenende ein langer, sauberer Schlag gelingt, ohne ständig nach anderen Yachten Ausschau halten zu müssen.
Eine Stelle verlangt allerdings volle Aufmerksamkeit. Rund 400 Meter südlich der Landspitze Sztynorcki Róg liegen die „Steinorter Steine" — eine ausgedehnte Untiefe mit steinigem Grund, bei normalem Wasserstand vom Deck aus völlig unsichtbar. Sie ist mit Kardinalzeichen markiert, und die liest man, statt die Ecke zu schneiden, „weil man hier seit Jahren fährt". Ein Stein unter dem Kiel beendet den Törn gründlicher als jede Flaute.
Zweite Merkregel: Die Passage vom Dargin zu den Kirsajty führt unter der Steinorter Brücke hindurch und verlangt das Legen des Mastes. Dahinter zieht der Kurs durch die flachen, schilfgesäumten Kirsajty hinaus auf den offenen Mamry — ein ganz anderes Segeln, dem wir einen eigenen Revierführer gewidmet haben. Wer den Mast nicht legen will oder kann, für den bleiben Dargin und Dobensee der natürliche Endpunkt der Nordtour.
Der Dobensee: unter Segeln, ohne Auspuff
Der Dobensee (Jezioro Dobskie) misst 1776 ha und bis zu 22,5 m Tiefe, doch zuerst fällt auf, was hier fehlt: Motorenlärm. Seit dem 24. Mai 1976 ist der gesamte See Naturreservat „Jezioro Dobskie" unter Aufsicht der Regionaldirektion für Umweltschutz in Olsztyn (1818,47 ha laut dem zentralen Register CRFOP). Verbrennungsmotoren sind verboten — der See ist zugleich Ruhezone und Wasserreservat, und die Schutzbestimmungen schließen formal jedes Motorfahrzeug aus. Segeln ist erlaubt. Das Ergebnis: Durch die Łabap läuft man in ein Wasser ein, auf dem nur der Wind im Rigg und die Vögel zu hören sind. In Masuren wird dieses Erlebnis immer seltener.
Die Inseln des Reservats dürfen nicht betreten werden, und das ist keine Vorschrift „auf dem Papier". Auf Wysoki Ostrów, der Kormoraninsel, brütet eine Kolonie von rund 700 Paaren (Stand 2011) — man sieht, hört und riecht sie von Weitem, anlanden muss dafür niemand. Das Reservat ist außerdem ein Revier des Seeadlers; wer geduldig in den Himmel schaut, hat gute Chancen, ihn zu erwischen. Gilma, die größte Insel des Sees, birgt einen Burgwall, den Forscher mit den prußischen Galindern und dem frühen Mittelalter verbinden — auch sie bleibt eine Insel für den Blick vom Deck.
Auf der Halbinsel zwischen Dobensee, Kisajno und Dargin liegt das Blockfeld Fuledzki Róg: einige Tausend Findlinge, vom Inlandeis hierher verschleppt, der größte mit rund 9,3 m Umfang. Seit 1963 als eigenständiges Reservat geschützt, gehört es heute zum Reservat des Dobensees und umfasst etwa 40 ha — eines der größten Findlingsfelder Masurens. Detaillierte Ankerregeln für den Dobensee gibt es nicht, es gilt seemännischer Verstand — wie man sicher und ohne Schaden für den Grund liegt, steht in unserem Ratgeber zum Ankern mit der Yacht in Masuren.
Wie sich daraus ein Törn baut
Die Wasserstraße von Giżycko nach Węgorzewo misst 25,2 km. Von Giżycko nach Sztynort sind es auf dem Wasser rund 15 km, von Sztynort nach Węgorzewo weitere 13–14 km. Unter Segeln rechnet man bequem einen halben Tag pro Etappe — es bleibt Zeit für ein Mittagessen, den Spaziergang zum Schloss und den Abend in der Zęza. Der markierte Kurs ab Sztynort führt durch den Kanal auf den Dargin, dann am Ostufer entlang, unter der Steinorter Brücke hindurch (Mast legen!) und durch die schilfigen Kirsajty auf den Mamry. Für die Nacht außerhalb des Hafens empfehlen Segler die Landzunge Królewski Róg mit ihrem Biwakplatz. Wer mehr Zeit mitbringt, bettet das ganze Revier in eine zweiwöchige Runde über die Großen Seen ein — im Norden zahlt sich das am meisten aus, weil dort niemand auf die Uhr schaut.
Für Crews, die über Land anreisen: Sztynort ist ein Dorf in der Gemeinde Węgorzewo, gelegen auf einer Halbinsel. Von der Nationalstraße DK63 fährt man über Pozezdrze oder Ogonki und weiter über Harsz. Ab Giżycko sind es etwa 25–30 km, rund eine halbe Stunde Fahrt — die Yachtübernahme im Hafen am Samstagnachmittag ist logistisch also unkompliziert.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Liegeplätze hat der Hafen Sztynort, und was bietet er? Über 450 Plätze an Schwimmstegen mit Y-Auslegern — damit ist er der größte Yachthafen der Großen Masurischen Seen. Strom, Wasser am Steg sowie Duschen und Sanitäranlagen ohne Limit sind im Liegegeld enthalten; vor Ort gibt es eine Slipanlage (ab ca. 50 Złoty), einen Kran bis 4 t und saisonal eine Orlen-Wassertankstelle (9–21 Uhr).
Darf man auf dem Dobensee unter Motor fahren? Nein. Der ganze See ist Naturreservat und Ruhezone — Verbrennungsmotoren sind verboten, formal gilt das Verbot für alle Motorfahrzeuge. Segeln ist erlaubt; die Inseln, darunter Gilma und Wysoki Ostrów, dürfen nicht betreten werden.
Kann man Schloss Steinort besichtigen? Die Innenräume werden saniert, regelmäßige Besichtigungen gibt es nicht — das Schloss sieht man von außen: Hof, Park und die historische Eichenallee. Die Frontfassade wurde nach der Restaurierung am 15. November 2025 enthüllt; saisonal öffnet ein Informationspunkt, und die Stiftung lädt zu gelegentlichen Veranstaltungen, deren Termine man vor dem Besuch prüfen sollte.
Wie kommt man von Sztynort nach Giżycko, und wie lange dauert das? Die Strecke misst rund 15 km und ist Teil der Wasserstraße Giżycko–Węgorzewo (insgesamt 25,2 km). Unter Segeln plant man dafür bequem einen halben Tag, mit Reserve für Wind und Verkehr auf dem Kurs; wer den Kanal durch Giżycko passieren will, prüft vorher die Öffnungszeiten der Drehbrücke.
Muss für die Passage vom Dargin zu den Kirsajty der Mast gelegt werden? Ja. Der Kurs führt unter der Steinorter Brücke hindurch, der Mast muss liegen; danach geht es durch die flachen, schilfbestandenen Kirsajty auf den Mamry. Hat die Yacht keine funktionierende Mastlegevorrichtung, bleibt der Dargin die natürliche Grenze des Törns.
Am einfachsten lernt man dieses Revier kennen, wenn der Törn genau hier beginnt — Sie übernehmen die Yacht an der Pier, und Dargin und Dobensee liegen direkt hinter der Mole. Verfügbare Boote finden Sie auf unserer Seite zum Yachtcharter in Sztynort — die Juli- und Augustwochen verschwinden am schnellsten aus dem Kalender.
Foto: Wikimedia Commons (gemeinfrei).



