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Port Royal in Gizycko: der Tag, an dem du dein Boot übernimmst
Häfen & Marinas6 Min. Lesezeit

Port Royal in Gizycko: der Tag, an dem du dein Boot übernimmst

Unsere Basis am Kisajno hinter den Kulissen: wie der Übergabesamstag abläuft, was bei der Bootsübernahme passiert, wie lange das Protokoll wirklich dauert und warum eine frühere Anreise kein früheres Ablegen bedeutet.

Das NaCzarter-Team

· Aktualisiert

6 Min. Lesezeit

Port Royal in Gizycko: So läuft der Tag ab, an dem du dein Boot übernimmst

Die Übernahme im Port Royal findet samstags statt: Rundgang über das Boot mit dem Hafenmeister, Protokoll über den Zustand der Ausrüstung, Abrechnung von Kaution und Pflichtgebühren in bar vor Ort, bei Hausbooten zusätzlich eine kurze Einweisung auf dem Wasser. Das dauert kürzer, als die meisten erwarten, vorausgesetzt, niemand hetzt. Der Hafen liegt am Kisajno, hier liegen 92 unserer Boote, und von diesem Steg starten die meisten unserer Crews. Unten der Tag der Reihe nach, so wie er wirklich abläuft.

Wo das liegt und wie du hinkommst

Gizycko, See Kisajno. Kisajno ist das Wasser nördlich der Stadt, ein Teil der Großen Masurischen Seen, der weiter Richtung Mamry führt. Nach Süden, auf den Niegocin, geht es durch den Kanal quer durch Gizycko, unter der Drehbrücke hindurch. Die Brücke hat feste Öffnungszeiten, und das ist die erste Sache, die man bei der Planung des ersten Nachmittags im Hinterkopf haben sollte.

Anfahrt mit dem Auto: Das Navi führt ohne Überraschungen zum Hafen, das letzte Stück ist allerdings schon Hafenstraße, also lieber langsam fahren und keine Abkürzungen über fremde Höfe versuchen. Wenn du zum ersten Mal kommst, ruf an, sobald du in Gizycko bist. Der Hafenmeister sagt dir, wo du stehen kannst, ohne mitten am Übergabetag die Durchfahrt zu blockieren. Wie das Kisajno aus seglerischer Sicht aussieht, Untiefen, Buchten, wohin es von hier am nächsten ist, haben wir separat im Seglerführer zum See Kisajno beschrieben.

Der Samstag im Hafen aus Sicht des Hafenmeisters

Morgens kommen die Boote der vorherigen Woche zurück. Jedes muss durchgesehen, geputzt, aufgefüllt werden, Motor und Ausrüstung geprüft, manchmal etwas nachgezogen oder ausgetauscht. Erst danach geht dasselbe Boot an die neue Crew. Das heißt: Die Übergaben laufen nacheinander, und die Reihenfolge bestimmt, wann das jeweilige Boot zurückkam, nicht wer zuerst geparkt hat.

Daraus folgt eine einfache Sache: Drei Stunden früher anzureisen beschleunigt das Ablegen nicht. Etwas anderes beschleunigt es. Die komplette Crew vor Ort, eine Person fürs Protokoll bestimmt, das Bargeld für die Kaution bereit, das Gepäck aus Koffern in weiche Taschen umgepackt. Eine Viertelstunde Ruhe beim Protokoll liegt im Interesse beider Seiten. Wir wollen wissen, in welchem Zustand wir das Boot übergeben, du willst schriftlich haben, was nicht auf dein Konto geht.

Was bei der Übernahme passiert

Der Rundgang beginnt außen. Rumpf, Bordwände, Fender, Leinen, Bootshaken, Badeleiter. Der Hafenmeister zeigt Kratzer und Schrammen, die schon da sind, und die kommen ins Protokoll. Danach das Innere: Pantry, Kojen, Sanitärbereich, Wassertank, Fäkalientank, Elektrik, Positionslichter. Zum Schluss Motor und Steuerung. Beim Hausboot kommt die Ausfahrt aufs Wasser dazu, denn ein flachbodiges Boot mit hoher Bordwand fährt sich völlig anders als ein Auto und anders als eine Segelyacht. Unsere Hausboote, zum Beispiel Nautiner 40 oder Sun Camper 35 Flybridge, fahren führerscheinfrei, aber das heißt nicht, dass die ersten Manöver von allein gelingen.

Das Protokoll unterschreiben beide Seiten. Betrachte es nicht als Formalität zum Abhaken, sondern als deine Versicherung für den Samstag in einer Woche. Ausführlicher haben wir das im Text über die Bootsübernahme und das Protokoll beschrieben.

Kaution und Pflichtgebühren werden vor Ort in bar abgerechnet. Die Kaution ist erstattbar und kommt bei der Rückgabe zurück, wenn nichts passiert ist. Wir ziehen sie nicht online ein und blockieren sie nicht auf der Karte. Regeln, Höhe und das, was realistisch davon abgehen kann, beschreibt ein eigener Beitrag über die Kaution beim Yachtcharter in Masuren.

Stunde für Stunde

TageszeitWas passiertWas du tun kannst, damit es glatt läuft
MorgensDie Boote der vorherigen Woche kommen zurück, Service und Reinigung beginnenKomm nicht im Morgengrauen an den Steg. Erledige die Einkäufe in der Stadt, frühstücke in Ruhe
Vor der ÜbergabeDer Hafenmeister beendet die Kontrolle deines Bootes und ruft an oder sagt vor Ort BescheidTelefon eingeschaltet lassen und die ganze Crew greifbar haben. Gepäck in Taschen umgepackt
ÜbernahmeRundgang, Protokoll, Einweisung, Abrechnung von Kaution und GebührenBestimme eine Person für das Gespräch mit dem Hafenmeister. Der Rest trägt noch nichts an Bord
Einweisung auf dem WasserBeim Hausboot eine kurze Ausfahrt: Manöver, Rückwärtsfahrt, Anlegen am StegAns Ruder gehört, wer nachher fährt. Nicht der Mutigste, sondern der Reale
AuslaufenAblegen von den Dalben, Kurs aufs KisajnoFender außen, Leinen eingeholt, die Crew weiß, wer was hält
Erster AbendKurzer Schlag und Liegeplatz in einem Hafen nahe der BasisReserviere den Platz vorher und komm vor der Dämmerung an

Die ersten Manöver

Im Hafen wird an Dalben oder an einer Muring festgemacht. Dalben sind Pfähle, an denen du das Heck festmachst, mit dem Bug stehst du zum Steg. Die Muring ist eine Leine, die im Wasser liegt: Du fischst sie mit dem Bootshaken vom Heck aus auf und führst sie an der Bordwand entlang nach vorn zum Bug, dort belegst du sie. Klingt banal, bei Seitenwind ist es manchmal weniger banal. Der Anker bleibt für später, für die einsamen Buchten, und auf Charterbooten hängt daran eine Leine, keine Kette.

Ein Hausboot wird vom Wind versetzt. Die hohe Bordwand fängt jede Böe, der flache Boden hält den Kurs nicht so wie ein Kiel. Beim Auslaufen aufs Kisajno mach alles langsamer, als der Kopf vorschlägt. Motor mit kleiner Drehzahl, ein Kommando nach dem anderen, und am besten Ruhe an Deck statt fünf Leuten, die gleichzeitig Ratschläge geben.

Was mitnehmen und was fragen

Weiche Taschen, denn harte Koffer passen nicht in die Backskisten. Regenjacke auch im Juli, Schuhe mit heller Sohle, Mütze, Sonnencreme, Powerbank, Bargeld für Kaution und Gebühren. Der Rest lässt sich in Gizycko kaufen.

Was du den Hafenmeister fragen solltest, bevor du ablegst:

  • Wo die Seeventile sitzen und wann man sie schließt.
  • Wo der Batteriehauptschalter ist und was er abschaltet.
  • Die Notrufnummer der Basis und wen man abends anruft.
  • Wo Feuerlöscher und Rettungsring liegen.
  • Wie viel Kraftstoff und Wasser beim Start an Bord sind und wo man unterwegs nachfüllt.
  • Wie die Fäkalienentsorgung im Hafen läuft und wo der Müll hinkommt, denn das ist ein Schutzgebiet und darauf achten wir.

Wenn du zum ersten Mal fährst, lies vorher den Ratgeber vor dem ersten Charter. Viele Anrufe, die wir in der Woche vor dem Törn bekommen, finden dort schon eine Antwort.

Warum man für den ersten Tag keinen langen Schlag plant

Weil du am Nachmittag aufs Wasser gehst, auf einem Boot, das du noch nicht kennst, mit einer Crew, die sich gerade erst einrichtet. Dazu kommen Brücke und Verkehr im Kanal. Śniardwy und Mamry bauen bei starkem Wind eine kurze, steile Welle auf, und diese Reviere quert man morgens oder gar nicht, ganz sicher nicht müde am ersten Abend. Plane einen Liegeplatz eine, vielleicht zwei Stunden von der Basis entfernt. Ein Abendessen zu vernünftiger Zeit tut der Stimmung an Bord mehr Gutes als eine zusätzliche Stunde Fahrt im Dunkeln.

Rückgabe am Samstagmorgen

Du kommst morgens zurück, weil dieselbe Crew schon von genau diesem Boot träumt. Vor der Rückkehr den Kühlschrank leeren, den Müll mitnehmen, die eigenen Sachen aus den Backskisten holen. Der Hafenmeister macht den Rundgang mit demselben Protokoll wie bei der Übergabe und prüft Kraftstoffstand und Ausrüstung. Wenn unterwegs etwas passiert ist, sag es selbst, bevor es jemand findet. Dann ist das Gespräch kurz und normal. Die Kaution kommt in bar zurück, genau so, wie sie eingezahlt wurde.

Häufige Fragen

Wann lege ich realistisch ab? Meist am Nachmittag, die genaue Uhrzeit hängt aber davon ab, wann dein Boot zurückkam und wie der Service lief. Der Hafenmeister bestätigt sie am Übergabetag. Plane für Samstag direkt nach der Übernahme nichts Festes ein.

Kann ich einen Tag früher anreisen? Nach Gizycko auf jeden Fall, viele Crews machen das, weil sie so ausgeruht in den Samstag starten. Eine Übernachtung an Bord vor dem Törn geht nicht, denn bis zum Morgen ist das Boot noch unterwegs. Die Stadt hat Unterkünfte in jeder Preisklasse, in der Hochsaison solltest du nur rechtzeitig buchen.

Wo lasse ich das Auto? In der Regel bleibt das Auto während des Törns auf dem Hafengelände. Regeln und Stellplatzzahl bestätige bitte bei der Buchung im Büro und gib das Kennzeichen an, damit es am Samstag keine Überraschung gibt.

Zahle ich die Kaution online? Nein. Kaution und Pflichtgebühren werden bei der Übernahme in bar vor Ort abgerechnet. Die Kaution ist erstattbar und kommt bei der Rückgabe zurück.

Brauche ich einen Führerschein? Für die Hausboote, die wir im Port Royal haben, nicht. Du bekommst eine Einweisung auf dem Wasser und so viel Anleitung, wie nötig ist, um in Ruhe an den Steg zu kommen.

Titelbild: NaCzarter.pl (eigene Flotte)

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