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Yachtübernahme: Was du prüfst, bevor du das Protokoll unterschreibst
Segelführer6 Min. Lesezeit

Yachtübernahme: Was du prüfst, bevor du das Protokoll unterschreibst

Das Übergabeprotokoll ist der einzige Beleg für den Zustand deiner Yacht bei der Übernahme. Wir gehen der Reihe nach durch: Rumpf, Motor, Technik, Ausrüstung. Und zeigen, was du eintragen musst, damit die Kaution vollständig zurückkommt.

Das NaCzarter-Team

· Aktualisiert

6 Min. Lesezeit

Eine Viertelstunde am Steg entscheidet über deine Kaution

Die Yachtübernahme ist keine Formalität, die man schnell abhakt. Das Übergabeprotokoll ist der einzige Beleg dafür, in welchem Zustand du das Boot bekommen hast – ein Kratzer, den du am Samstagmorgen nicht eingetragen hast, gehört bei der Rückgabe dir. Klingt hart, funktioniert aber genau so. Das Protokoll ist im Charter Standard und hat genau diesen Zweck. Die gute Nachricht: Ein ordentlicher Rundgang dauert eine Viertelstunde, höchstens zwanzig Minuten.

Samstag ist Wechseltag, denn die Charterwochen laufen in Masuren üblicherweise von Samstag bis Samstag. Der Hafenmeister hat mehrere Übergaben und Rücknahmen hintereinander, alle wollen endlich los, und am Steg wird es eng. Der natürliche Reflex ist abzuwinken: „Passt schon, gib mir die Schlüssel." Tu das nicht. Diese Viertelstunde ist im Interesse beider Seiten, denn auch die Basis hat lieber schwarz auf weiß, was vor dem Törn war, als eine Woche später darüber zu streiten. Wenn es dein erstes Mal ist, hilft dir vorab auch der allgemeine Ratgeber zum ersten Yachtcharter, damit du weißt, was dich am ganzen Samstag erwartet.

Fang beim Rumpf an, mit dem Handy in der Hand

Geh in Ruhe einmal um die Yacht herum und schau von oben und von der Seite. Die meisten Andenken der Vorgänger sammeln sich an den Scheuerleisten, am Heck rund um den Spiegel und am Bug – also dort, wo missglückte Hafenmanöver enden. Geh in die Hocke und schau flach über die Oberfläche, denn Kratzer im Gelcoat sieht man erst im Gegenlicht.

Mach Fotos mit dem Handy. Nicht drei hübsche Erinnerungsbilder, sondern gut ein Dutzend rund um den Rumpf plus Nahaufnahmen von allem, was nicht perfekt ist. Das Handy speichert Datum und Uhrzeit in der Datei, und das ist deine beste Anlage zum Protokoll. Hat die Yacht ein Schwert oder eine Flosse, frag den Hafenmeister, wie der Mechanismus funktioniert und in welcher Stellung er beim Manövrieren im Hafen sein soll.

Deck, Rigg, Motor

An Deck prüfst du das, wonach du später in der Fahrt greifst: Relings und Seereling, Handläufe, Luken (schließen sie dicht, tropft es in den Ecken?), Zustand der Leinen. Auf einer Segelyacht lässt du den Blick über Wanten und Stagen wandern und schaust dir Schoten und Fallen an, ob sie aufgescheuert sind. Du musst kein Gutachter sein. Es reicht, dass du es bemerkst und zeigst.

Den Motor startest du im Beisein des Hafenmeisters, nicht allein eine halbe Stunde später. Er muss anspringen, das Kühlwasser muss laufen, der Rückwärtsgang muss sich einlegen lassen. Notiere bei der Gelegenheit den Tankstand im Protokoll. Das ist der häufigste Streitpunkt bei der Rückgabe, denn „fast voll" versteht jeder anders. Der Eintrag „Tank voll, bei Übergabe bestätigt" kostet fünf Sekunden und erledigt das Thema. Genauso den Frischwasserstand.

Sicherheit und Technik: nicht „vorhanden", sondern „funktioniert"

Zähl die Rettungswesten Stück für Stück, für jede Person an Bord, Kinder extra und in ihrer Größe. Dazu der Feuerlöscher am vorgesehenen Platz, Rettungsring oder Rettungskragen griffbereit und die Bordapotheke. Wirf einen Blick auf das Etikett des Feuerlöschers und in die Apotheke hinein, statt nur zu prüfen, ob die Box am richtigen Ort liegt.

Die Technik testet man, indem man sie einschaltet. Die Wasserpumpe muss in Spüle und Waschbecken Druck bringen, der Kühlschrank muss kühlen, die Steckdosen müssen Strom haben, Kabinen- und Positionslichter müssen brennen. Prüf auch das Ankerlicht, das brauchst du für die Nacht vor Anker. Die Toilette pumpst du im Beisein des Hafenmeisters durch und klärst gleich, wo und wie der Fäkalientank entleert wird. In Masuren geht nichts über Bord, und das ist keine Frage des guten Willens, sondern des Schutzgebiets: Fäkalien und Müll lässt du im Hafen. Wie das in der Praxis aussieht, haben wir separat im Text über Toilette und Wasser auf der Charteryacht beschrieben.

Pantry, Leinen, Bootshaken, Anker

Die Pantry-Ausstattung geht man nach der Liste im Protokoll durch: Töpfe, Pfanne, Besteck, Becher, Teller. Fehlt etwas, sagst du es sofort, meist bringt der Hafenmeister es einfach nach. Schlechter ist es, wenn du es erst auf dem Spirdingsee merkst.

Zähl die Festmacher separat und schau, ob einer durchgescheuert ist. Frag, wo die Reserveleine liegt. Ein Bootshaken muss an Bord sein, denn ohne ihn bekommst du die Muringleine nicht zu fassen, und in masurischen Häfen macht man an Dalben oder am Muring fest, nicht vor Anker. Die Muringleine fängst du mit dem Bootshaken am Heck und führst sie längs der Bordwand nach vorn zum Bug – der Bootshaken ist also Grundausrüstung, keine Deko. Hol den Anker aus der Backskiste und roll ein Stück Leine aus. Auf Charterbooten liegt der Anker an einer Leine, nicht an einer Kette, und du willst wissen, wie viel du davon hast, bevor du in einer geschützten Bucht abseits des Fahrwassers nach einem Nachtplatz suchst. Was du sonst noch besser selbst mitbringst, steht in unserer Packliste für den Charter.

Was du konkret prüfst und was ins Protokoll gehört

BereichWas konkret prüfenWas ins Protokoll
Rumpf und BordwändeRundgang im Gegenlicht; Scheuerleisten, Heck, BugJeder Kratzer und Absplitterung mit Ort, Foto-Nummern
Deck und LukenReling, Handläufe, dichtes Schließen der Luken, WasserspurenRisse, lose Beschläge, undichte Luke
Rigg und SegelWanten, Stagen, Schoten, Fallen, Zustand des PersenningsScheuerstellen, fehlende Schäkel, aufgeplatzte Naht
MotorStart im Beisein des Hafenmeisters, Kühlwasser, RückwärtsgangTankstand, Betriebsstunden falls Zähler vorhanden
SicherheitWeste für jede Person, Feuerlöscher, Rettungsring, BordapothekeAnzahl und Größen der Westen, Lücken in der Apotheke
TechnikWasser, Toilette, Kühlschrank, Strom, Licht: einschalten und prüfenWas nicht oder nur schwach funktioniert, Wasserstand
PantryGeschirr und Ausrüstung nach der ProtokolllisteFehlteile vor dem Ablegen gemeldet
Leinen, Bootshaken, AnkerAnzahl und Zustand der Leinen, Bootshaken da, Anker mit LeineDurchgescheuerte Leinen, fehlende Reserve, Leinenlänge

Was du den Hafenmeister vor dem Ablegen fragen solltest

Vier Fragen, die dir Abende retten. Wo sind die Seeventile, falls die Yacht welche hat, und wie schließt man sie. Wo ist der Batteriehauptschalter, denn bei schwächelnder Batterie ist das die erste Frage der Basis am Telefon. Wie startet man die Heizung, falls vorhanden, und was man dabei besser lässt. Und am wichtigsten: Wie lautet die Notfallnummer der Basis und was tust du, wenn mitten im Törn etwas den Dienst verweigert. Speicher die Nummer sofort im Handy, statt sie auf einem Zettel im Kartentisch liegen zu lassen.

Frag gleich auch nach den Öffnungszeiten der Drehbrücke in Gizycko und der Schleuse Guzianka, falls du dort durchwillst. Die Route richtet sich nach deren Uhr, nicht umgekehrt.

Wenn du mit einem Hausboot ohne Führerschein unterwegs bist, frag zusätzlich, wie sich das Boot bei Seitenwind verhält. Flacher Boden und hoher Aufbau machen daraus ein Segel, und im Hafen kann dich das überraschen.

Die Kaution kommt dort zurück, wo das Protokoll ordentlich war

Die Kaution ist erstattungsfähig und wird vor Ort in bar bei der Rückgabe der Yacht abgerechnet. Sie ist nicht Teil der Online-Zahlung, genauso wenig wie Pflichtgebühren etwa für die Endreinigung. Das heißt: Das Gespräch über Geld findet von Angesicht zu Angesicht über dem Protokollblatt statt, und es gewinnt, wer die Fakten notiert hat. Die Details der Abrechnung haben wir im Text über die Kaution beim Yachtcharter in Masuren beschrieben.

Aus Erfahrung: Streit um die Kaution entsteht fast nie wegen großer Schäden. Er entsteht wegen Kleinigkeiten, die bei der Übergabe niemand eingetragen hat.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Yachtübernahme? Realistisch eine Viertelstunde bis zwanzig Minuten für den Rundgang, dazu die Einweisung, wenn du dieses Modell zum ersten Mal fährst. In der Hochsaison komm mit Zeitpuffer, denn vor dir kann noch eine Crew stehen.

Was, wenn ich einen Schaden erst während des Törns entdecke? Ruf noch am selben Tag die Basis an und mach Fotos. Eine Meldung in Echtzeit wird völlig anders behandelt als derselbe Schaden, der am Samstag bei der Rückgabe „auftaucht".

Haben Handyfotos überhaupt einen Wert? Ja, weil sie Datum und Uhrzeit in der Datei tragen. Am besten wirken sie zusammen mit dem Protokolleintrag: Das Foto zeigt den Zustand, das Protokoll zeigt, dass beide Seiten ihn gesehen haben.

Wann kommt die Kaution zurück? Bei der Rückgabe der Yacht, vor Ort in der Basis, nach der gemeinsamen Besichtigung. Ist nichts über das hinzugekommen, was im Übernahmeprotokoll steht, bekommst du sie vollständig zurück und fährst nach Hause.

Titelbild: NaCzarter.pl (eigene Flotte)

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