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Was Luv und Lee bedeuten
Luv ist die Seite, von der der Wind kommt. Lee ist die Seite, zu der der Wind weht. So spricht man von der Bordseite einer Yacht, vom Seeufer, von einer Insel, einer Tonne und einer anderen Yacht. Die einfachste Merkhilfe: Stell dich mit dem Gesicht in den Wind. Vor dir liegt Luv, hinter deinem Rücken Lee.
Alles auf dem Wasser wandert von Luv nach Lee: die Welle, eine treibende Yacht und die Mütze im Wasser. Woher der Wind kommt, zeigt der Verklicker im Masttopp, eine heranziehende Bö erkennt man als dunkleren Fleck aus Kräuselwellen. Die Windrichtungen beschreiben wir gesondert im Text zur Windrose.
Luv- und Leeseite: Wo die Crew sitzt
Auf der Yacht ist die Luvseite die Seite, auf die der Wind trifft. Am Wind legt sich das Boot auf die andere Seite, nach Lee. Luv ist hoch und trocken, Lee tief und nass. Deshalb sitzt die Crew in Luv: Ihr Gewicht richtet das Boot auf. Auch der Steuermann sitzt in Luv, weil er von dort Segel und heranziehende Böen sieht. Die Lage ist am Wind und bei halbem Wind deutlich, vor dem Wind verschwindet sie fast. Die Kurse, vom Am-Wind-Kurs bis zum Vorwindkurs, findest du im Ratgeber zu den Kursen zum Wind.
Segel und Baum schwingen nach Lee aus. Die arbeitende Fockschot läuft auf der Leeseite, die lose auf der Luvseite. Nach dem Manöver kehrt sich alles um: Luv wird Lee, die Crew wechselt die Seite, die Schoten tauschen die Rollen. Schritt für Schritt zeigen wir das im Text zu Wende und Halse.
Ein Beispiel. Du läufst aus Giżycko (Lötzen) auf den Niegocin aus und fährst nach Süden. Der Wind kommt aus Westen, also von rechts. Steuerbord ist Luv, Backbord Lee. Das Boot legt sich nach Backbord, die Crew sitzt an Steuerbord. Du wendest und fährst zurück nach Norden: Jetzt kommt der Wind von links, Backbord ist Luv, alle setzen sich dorthin. Der Wind weht wie zuvor, nur dein Kurs hat sich geändert.
Luvufer und Leeufer: Wo man ankert
Das Luvufer ist das Ufer, von dem der Wind kommt. Der Wind zieht vom Land aufs Wasser, die Welle kann sich nicht aufbauen. Dicht unter dem Ufer ist das Wasser glatt, je weiter draußen, desto größer die Welle. Das Leeufer ist das Ufer, auf das der Wind weht. Die Welle läuft über den ganzen See und bricht sich erst dort. Unter dem Leeufer ist es laut und nass, und geht etwas kaputt, landest du auf den Steinen oder im Schilf. Auf Śniardwy und Mamry ist die Welle bei starkem Wind kurz und steil, dort meide das Leeufer in weitem Bogen.
Daraus folgt die Regel: Für die Nacht eine geschützte Bucht unter dem Luvufer, außerhalb des Fahrwassers, Ankerlicht an. Wenn der Anker slippt, treibt die Yacht auf offenes Wasser und nicht ans Ufer. Gib reichlich Ankerleine, ein Mehrfaches der Wassertiefe; eine zu kurze Leine reißt den Anker bei jeder stärkeren Bö los. Unter dem Leeufer bleibst du nicht über Nacht, auch wenn es am Abend nur schwach weht. In Masuren dreht der Wind nachts oft, und die schützende Bucht kann am Morgen auf der falschen Seite liegen. Weckt dich eine andere Bewegung des Bootes, prüfe, was achtern liegt.
Ein Ausdruck ist hier tückisch: „die Leeseite der Insel“. Gemeint ist die geschützte Seite der Insel, also dort, wo du liegen willst. Vom Deck aus ist dasselbe Ufer für dich Luv, weil der Wind von der Insel zur Yacht weht. Denk daran, dass einige Inseln in Masuren, unter anderem auf dem Kisajno, Naturschutzgebiete sind. Du ankerst in der Bucht, auf der Insel zeltest du nicht.
Luv im Hafen: Anlegen an der Pier und Mooringleine
Im Hafen ankerst du nicht, du machst an Dalben oder an einer Mooringleine fest, aber auch hier entscheidet der Wind über das Anlegen. Auflandiger Wind weht vom Wasser auf die Pier: Die Pier liegt in deinem Lee. Komm langsam und flach heran und stoppe frühzeitig, der Wind drückt dich von selbst an den Steg. Häng die Fender vor dem Manöver tief an der Pierseite aus. Von auflandigem Wind kommt man später schwer weg, such dir also möglichst einen Platz, an dem der Wind abdrückt.
Ablandiger Wind weht von der Pier aufs Wasser: Die Pier liegt in deinem Luv. Komm entschlossener und steiler heran und gib die Vorleine so schnell wie möglich über. Zögerst du, fällt der Bug vom Steg ab, und du musst neu anlegen.
In einer Box zwischen Dalben oder Nachbarn zählt der Seitenwind. Ziel ein wenig auf die Luvseite der Lücke: Bevor du ankommst, schiebt der Wind das Boot nach Lee, genau dorthin, wo du liegen willst. Häng die Fender auf der Leeseite aus, denn sie trifft auf den Nachbarn oder die Dalbe. Die Mooringleine führt vom Steg zu einem Gewicht am Grund und hält den Bug, wenn du mit dem Heck zur Pier liegst. Du fischst sie mit dem Bootshaken am Heck auf und gehst mit ihr nach vorn, bevor der Wind sein Werk tut.
Zwischen Yachten: Wer ausweicht und wer den Wind nimmt
Nähern sich zwei Segelyachten auf demselben Bug, also mit Wind von derselben Seite, weicht die Luvyacht aus. Die Leeyacht hält Kurs. Merk es dir so: Wer den Wind zuerst hat, geht aus dem Weg. Bei unterschiedlichen Bugen weicht die Yacht aus, die den Wind von Backbord hat. Wer gegenüber Motorbooten, Fahrgastschiffen und Kajaks Vorfahrt hat, beschreiben wir im Text zu den Ausweichregeln auf den Großen Masurischen Seen.
Der Überholende weicht immer aus, ob in Luv oder in Lee. Dazu kommt die Abdeckung der Segel, der Windschatten. Jede Yacht unter Segeln nimmt der den Wind, die dicht in ihrem Lee und etwas achteraus fährt. Überholt dich jemand in Luv, fallen deine Segel für einen Moment ein. Gehst du dicht in Luv an jemandem vorbei, tust du ihm dasselbe an. Bei der Regatta ist das eine Waffe, auf dem Urlaubstörn schlechter Stil. Halte Abstand.
Auch das Land wirft Abdeckung. Ein hohes Ufer oder ein Wald nehmen den Wind weit aufs Wasser hinaus: Dicht unter dem Luvufer hängen die Segel oft durch, ein paar Dutzend Meter weiter weht es voll. Zu sehen ist das beim Auslaufen aus den bewaldeten Buchten des Kisajno: erst Flaute, dann plötzliche Lage, also Schoten in der Hand, nicht in der Klemme.
Spickzettel: Was in Luv zu tun ist und was in Lee
| Situation | Luv | Lee |
|---|---|---|
| Bordseite auf Am-Wind-Kurs | Hier sitzen Crew und Steuermann; hohe, trockene Seite; lose Fockschot | Hierhin gehen Lage, Baum und Segel; arbeitende Fockschot; nicht über die Bordwand lehnen |
| Ufer bei starkem Wind | Glattes Wasser, Schutz; hier ankern und übernachten | Welle, Lärm, Gefahr, auf die Steine zu treiben; Abstand halten |
| Nacht vor Anker | Geschützte Bucht unter dem Luvufer, außerhalb des Fahrwassers, Ankerlicht, reichlich Leine | Prüfen, was achtern liegt: Dorthin treibst du, wenn der Anker slippt |
| Anlegen an der Pier | Pier in Luv (Wind drückt ab): entschlossener und steiler anlegen, Vorleine zuerst | Pier in Lee (Wind drückt an): langsam und flach anlegen, Fender tief |
| Sich nähernde Kurse auf demselben Bug | Luvyacht weicht aus | Leeyacht hält Kurs |
| Abdeckung der Segel | Du hast freien Wind, nimmst ihn aber dem Nachbarn | Deine Segel hängen im Windschatten des Nachbarn oder des Ufers |
Häufige Fragen
Wie merke ich mir, welche Seite Luv ist? Stell dich mit dem Gesicht in den Wind. Vor dir ist Luv, hinter deinem Rücken Lee. An Bord hilft auch eine Merkregel: Die Lage geht nach Lee, die Crew setzt sich nach Luv.
Ist Luv die Backbord- oder die Steuerbordseite? Keine von beiden, nicht dauerhaft. Luv ist die Seite, von der im Moment der Wind kommt. Backbord und Steuerbord gehören zum Rumpf, Luv und Lee zum Wind.
Unter welchem Ufer ist man in einer Bö sicher? Unter dem Luvufer, also dem, von dem der Wind kommt. Dort ist das Wasser glatt, und geht etwas schief, schiebt dich der Wind auf den offenen See, nicht auf die Steine. Vom Leeufer hältst du dich fern und reffst, bevor die Bö da ist; wie das geht, steht im Ratgeber zum Reffen der Segel.
Was bedeutet „nach Luv gehen“ oder „Höhe gewinnen“? Sich in die Richtung bewegen, aus der der Wind kommt. So sagt man, wenn man anluvt, um eine Landspitze luvseitig zu umfahren oder Weg in Reserve zu haben. Gegen den Wind fährt man im Zickzack; die Technik beschreibt der Ratgeber zum Kreuzen gegen den Wind.
Spielen Luv und Lee auf einem Hausboot eine Rolle? Ja, vor allem im Hafen. Ein Hausboot hat keine Segel und keine Lage, aber einen flachen Boden und hohen Aufbau, deshalb schiebt es der Seitenwind schneller nach Lee als ein Segelboot. Ziel beim Anlegen auf die Luvseite der Box und häng die Fender auf der Leeseite aus.



