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Was sind Kurse zum Wind?
Der Kurs zum Wind ist der Winkel zwischen der Richtung, in die die Yacht fährt, und der Richtung, aus der der Wind weht. Vom spitzesten an: Am-Wind (Wind schräg von vorn), Halbwind (von der Seite), Raumschots (schräg von achtern) und Vorwind (direkt von achtern). Genau gegen den Wind kommst du nicht voran: Auf einer Charteryacht liegt beidseits der Windrichtung eine No-go-Zone von etwa 40–50°, die man durch Kreuzen überwindet.
Diese vier Begriffe fallen in jeder Segelschulung, die Erklärungen sind aber oft dürftig. Hier findest du sie an einem Ort, mit Winkeln und mit dem, was sie auf den masurischen Seen bedeuten. Wenn du dir unsicher bist, von wo aus man die Windrichtung überhaupt angibt, fang mit dem Text über die Windrose an.
Welche Kurse zum Wind gibt es und in welchem Winkel?
Die Winkel in der Tabelle sind Näherungswerte und werden von der Windrichtung aus gemessen, also von dort, woher der Wind kommt. Die Grenzen zwischen den Kursen folgen den gängigen Definitionen: Am-Wind endet bei Wind querab, also senkrecht zur Bordwand, Raumschots beginnt dort und reicht bis nach achtern. Den spitzesten Winkel für eine Charteryacht setzen wir so an wie im Ratgeber zum Kreuzen.
| Kurs | Woher der Wind kommt | Ungefährer Winkel zum Wind | Segel | Worauf achten |
|---|---|---|---|---|
| No-go-Zone | Direkt von vorn | unter ca. 40–50° | Killen, ziehen nicht | Die Yacht verliert Fahrt und bleibt stehen |
| Am-Wind | Schräg von vorn | von ca. 40–50° bis ca. 80° | Dicht geholt, nah an der Bootsmitte | Krängung, Böen, zu hoch steuern |
| Halbwind | Von der Seite, senkrecht zur Bordwand | ca. 90° | Etwa bis zur Hälfte gefiert | Krängung in der Böe, seitliche Abdrift |
| Raumschots | Schräg von achtern | zwischen querab und achtern | Weit gefiert | Zu weit abfallen, Richtung Vorwind |
| Vorwind | Direkt von achtern | ca. 180° | Großsegel ganz gefiert, Fock oft auf der anderen Seite | Patenthalse und der Baum |
Ehrlich gesagt: Diese Zahlen unterscheiden sich von Lehrbuch zu Lehrbuch und von Boot zu Boot. Die untere Grenze des Am-Wind-Kurses hängt davon ab, wie hoch ein Boot laufen kann, und die gängigen Definitionen nennen eine Spanne von etwa 30° bis etwa 80°. Ein Regattaboot kommt weit hoch. Ein Charterboot mit Rollfock und bequemem, breitem Rumpf läuft nicht so hoch, auf dem Wasser rechnest du also eher mit 40–50°.
Am-Wind: so hoch wie möglich gegen den Wind
Am-Wind ist der Kurs, auf dem du so weit gegen den Wind segelst, wie es geht. Im Polnischen heißt er bajdewind, vom niederländischen „bij de wind“. Gemeint ist dasselbe. Es gibt zwei Abstufungen. Hoch am Wind ist die Grenze: noch ein bisschen weiter, und die Segel fangen an zu killen. Der raume Am-Wind-Kurs liegt näher am Halbwind, ist schneller und verzeiht mehr Fehler.
Am Wind krängt das Boot, weil der Wind von der Seite und leicht von vorn auf die Segel drückt. Die Schoten sind dicht geholt, der Steuermann achtet auf die Windfäden am Segel und auf den Bug, der gern in den Wind dreht. Zu hoch, und die Fock fängt an der Vorderkante an zu flattern, die Yacht wird langsamer. Zu tief, und du segelst zwar schnell, aber am Ziel vorbei. Aus diesem Kurs besteht jede Kreuz, deshalb musst du ihn im Griff haben. Die Technik Schritt für Schritt beschreiben wir im Ratgeber zum Kreuzen gegen den Wind.
Halbwind: warum der einfachste Kurs für den Anfang?
Beim Halbwind kommt der Wind senkrecht auf die Bordwand. Für Einsteiger ist das der einfachste Kurs zum Lernen. Die Segel fierst du etwa bis zur Hälfte, die Windfäden funktionieren weiterhin, und das Boot hält eine gleichmäßige Geschwindigkeit, ohne ständige Korrekturen zu verlangen. Deshalb fallen die ersten Minuten an der Pinne sehr oft genau auf einen Halbwindkurs.
Einen Nachteil gibt es: Bei stärkerem Seitenwind kann die Krängung überraschen. In der Böe fierst du das Großsegel, statt mit dem Ruder zu kämpfen. Wie sich die Windstärke auf das Geschehen auf dem Wasser auswirkt, haben wir im Text über die Beaufort-Skala auf dem See aufgeschlüsselt.
Raumschots: warum Segler ihn so mögen
Raumschots bedeutet Wind schräg von hinten, aus dem Sektor zwischen querab (seitlich zur Yacht) und achtern. Man unterscheidet einen spitzeren Raumschotskurs, näher am Halbwind, und einen raumeren, näher am Vorwind. Der polnische Name baksztag stammt übrigens vom deutschen Backstag, dem Teil des stehenden Gutes, der den Mast stützt und hinter dem Mast zur Bordwand läuft.
Für viele Segler ist das der angenehmste Kurs. Die Krängung lässt nach, die Segel sind weit gefiert, das Boot läuft flott und weich. In polnischen Nachschlagewerken gilt Raumschots als der günstigste Wind für eine Segelyacht. Vorwind ist meist nicht schneller, obwohl der Wind dann direkt in Fahrtrichtung weht.
Was ist der Unterschied zum Vorwind? Raumschots kommt der Wind klar von einer Seite, das Großsegel weiß also, auf welche Seite es gehört. Vor dem Wind verschwimmt diese Grenze. Deshalb segeln viele Steuerleute auf einer längeren Strecke mit dem Wind lieber raumschots und machen unterwegs eine Halse.
Vorwind: warum Wind von hinten gefährlich sein kann
Vorwind heißt Wind direkt von achtern. Im Polnischen sagt man fordewind, nach dem niederländischen „voor de wind“, wörtlich „vor dem Wind“. Klingt nach dem leichtesten Kurs. Für Anfänger ist er der heimtückischste.
Das Problem heißt Patenthalse. Eine kleine Winddrehung, eine Welle oder ein Moment Unaufmerksamkeit am Ruder reichen, damit der Wind das Großsegel von der anderen Seite erwischt. Dann schlägt das Großsegel samt Baum mit großer Kraft und auf Kopfhöhe durchs Cockpit auf die andere Seite. Bei stärkerem Wind kann so eine Halse das Boot außerdem heftig krängen lassen.
Was hilft:
- der Steuermann hält den Kurs etwas höher als reinen Vorwind, segelt also eigentlich raumschots;
- die Crew sitzt tief und weiß, wo der Baum schwenkt;
- auf längeren Strecken mit dem Wind kann man den Baum mit einer Leine sichern, die vom Baumende nach vorn geführt wird (dem Bullenstander, englisch preventer), damit er nicht von allein überschlagen kann;
- die Halse fährst du bewusst, mit dichtgeholtem Großsegel und auf Kommando, nicht aus Versehen.
Vor dem Wind verschwindet die Fock oft hinter dem Großsegel und hängt leblos herunter. Darum setzt man sie auf die andere Seite, man segelt dann „Schmetterling“. Wie man sicher halst und wann man das Boot besser über eine Wende dreht, erklären wir im Text über Wende und Halse.
Warum kann man nicht direkt gegen den Wind segeln?
Richtest du den Bug zu nah an die Windrichtung, hört das Segel auf, wie ein Flügel zu arbeiten, und flattert wie eine Fahne. Nichts zieht, die Yacht verliert Fahrt und bleibt stehen. Dieser Sektor beidseits der Windrichtung ist die No-go-Zone. Zu einem Ziel gegen den Wind segelst du im Zickzack, am Wind mal auf dem einen, mal auf dem anderen Bug. Das ist Kreuzen.
Wie sehen die Kurse auf den masurischen Seen aus?
In Masuren bestimmt die Form des Sees den Kurs oft mehr als der Wetterbericht. In schmalen, langen Rinnen wie Tałty, Bełdany oder Jagodne legt sich der Wind entlang der Seeachse. Du spürst ihn deshalb meistens von vorn oder von achtern. In der Praxis heißt das zwei Szenarien: ein raumer Kurs über die ganze Länge des Sees oder eine Kreuz am Wind, Schlag um Schlag, von Ufer zu Ufer. Halbwind gibt es in so einer Rinne selten. Details zum Tałty-See beschreiben wir im Revierführer zum Tałty-See.
Das sieht ungefähr so aus. Morgens geht es die Tałty-Rinne hinauf gegen den Wind. Kreuz am Wind, Wende, ein paar Minuten, wieder Wende. Der Steuermann schwitzt, die Crew holt die Schoten um. Nach dem Mittagessen geht es denselben Weg raumschots zurück. Das Boot richtet sich auf, es wird still, und plötzlich hat die ganze Crew Zeit für einen Kaffee.
Auf breitem Wasser, auf dem Niegocin, den Mamry oder den Śniardwy, bekommt man leichter Halbwind und kann den Kurs freier wählen. Dort solltest du dafür auf die Welle achten: Bei stärkerem Wind bauen Śniardwy und Mamry eine kurze, steile Welle auf, deshalb überquert man sie morgens oder gar nicht.
Woher weht der Wind am häufigsten? Laut einer Arbeit auf Basis von IMGW-PIB-Daten aus den Jahren 1991–2010 überwogen in Mikołajki und in Kętrzyn Winde aus West und Süd. Das sind Daten für bestimmte Messstationen, keine Regel für jeden Tag und jeden See. Die Hauptroute verläuft grob von Nord nach Süd, von Węgorzewo über Giżycko und Mikołajki bis Ruciane-Nida. Bei Westwind liegt der Abschnitt auf offenem Wasser nahe am Halbwind. Weht es aus Süd und du segelst nach Süden, rechne mit einer Kreuz. Der Rückweg nach Norden ist dann ein raumer Kurs. Entscheidend ist der Wetterbericht für den jeweiligen Tag, nicht die Statistik.
Was bedeuten Anluven und Abfallen?
Anluven heißt, den Bug näher an die Windrichtung zu drehen, also Richtung Am-Wind. Abfallen heißt, ihn vom Wind wegzudrehen, Richtung Raumschots und Vorwind. Am-Wind und Halbwind nennt man hohe Kurse, Raumschots und Vorwind raume Kurse. Bei jeder Kursänderung passt du die Segel an: beim Anluven holst du die Schoten dicht, beim Abfallen fierst du sie. Einen vollständigen Spickzettel, wie man Groß und Fock auf jedem Kurs einstellt, findest du im Ratgeber zum Segeltrimm.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Am-Wind-Kurs? Am-Wind ist der Kurs, bei dem der Wind schräg von vorn kommt, auf einem typischen Charterboot etwa von 40–50° bis ca. 80° vom Bug. Es ist der höchste Kurs, den man gegen den Wind segeln kann.
Was ist der Unterschied zwischen Raumschots und Vorwind? Raumschots weht der Wind schräg von achtern, klar von einer Seite. Vor dem Wind kommt er direkt von achtern, wodurch es leicht zu einer Patenthalse kommt und der Baum überschlägt.
Welcher Kurs zum Wind ist der schnellste? Das hängt vom Boot und der Windstärke ab. Nachschlagewerke nennen meist Raumschots als den günstigsten Kurs, Halbwind bringt die gleichmäßigste Geschwindigkeit. Vorwind ist entgegen der Intuition meist nicht der schnellste.
Was ist die No-go-Zone beim Segeln? Das ist der Sektor um die Richtung, aus der der Wind kommt, in dem die Segel nur killen und die Yacht stehen bleibt. Auf einer typischen Charteryacht sind das etwa 40–50° zu jeder Seite der Windrichtung. Man überwindet ihn durch Kreuzen.
Welcher Kurs ist für Anfänger am gefährlichsten? Vorwind. Wind direkt von hinten erwischt das Großsegel leicht von der anderen Seite, und der Baum schlägt durchs Cockpit. Sicherer ist es, raumschots zu segeln und Halsen bewusst zu fahren.



