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Segel trimmen. Wie du die Segel einstellst, damit die Yacht schneller und ruhiger läuft
Segelführer6 Min. Lesezeit

Segel trimmen. Wie du die Segel einstellst, damit die Yacht schneller und ruhiger läuft

Segel trimmen von null für Einsteiger: Verklicker, Schotspannung, Segelform und das Zusammenspiel von Groß und Fock. Plus Tabelle mit den Einstellungen für jeden Kurs.

Das NaCzarter-Team

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Segel trimmen. Wie du die Segel einstellst, damit die Yacht schneller und ruhiger läuft

Segel trimmen heißt, sie so zum Wind einzustellen, dass das Boot die beste Geschwindigkeit und den besten Kurs hat. Kurz gesagt: Mal holst du das Segel näher an die Bootsachse heran, mal fierst du es nach außen aus. Dazu kommen die Spannung des Vorlieks, ein flaches oder bauchiges Segel und das Lesen der Verklicker. Klingt nach viel, aber auf dem See lernst du das an einem Nachmittag. Unten zerlege ich es in seine Bestandteile, für jemanden, der zum ersten Mal die Schot in der Hand hält.

Warum überhaupt trimmen

Ein Segel ist keine Plane, die man aufhängt und vergisst. Es ist ein Flügel. Der Wind umströmt es von zwei Seiten und erzeugt eine Kraft, die das Boot nach vorne zieht. Damit diese Kraft groß und in die richtige Richtung gerichtet ist, muss das Segel im richtigen Winkel zum Wind stehen. Holst du es zu weit dicht: Das Segel würgt ab, das Boot legt sich und verliert Geschwindigkeit. Fierst du es zu weit aus: Das Tuch killt und zieht gar nichts. Trimmen ist die Suche nach dem Punkt zwischen diesen beiden Fehlern. Und dieser Punkt ändert sich mit jeder Kurs- und Windänderung, deshalb hat man die Schot ständig in der Hand und knotet sie nicht einmal pro Stunde fest.

Verklicker. Dein bestes Instrument

Am Vorsegel (Fock oder Genua) sind nahe am Vorliek dünne Wollfäden oder Bandstücke angenäht. Das sind die Telltales, also die Verklicker. Sie zeigen, wie der Wind das Segel umströmt, noch bevor du den Effekt an der Geschwindigkeit siehst. Die Regel ist einfach:

  • Beide Fäden (auf der Luv- und der Leeseite) liegen flach und strömen nach hinten: Das Segel steht gut, der Wind läuft gleichmäßig.
  • Der Faden auf der Windseite (Luv) flattert oder hebt sich nach oben: Das Segel ist zu weit ausgefiert oder du gehst zu hoch an den Wind. Fall ab oder hol die Schot dicht.
  • Der Faden auf der Leeseite flattert: Das Segel ist zu weit dichtgeholt oder du gehst zu hoch. Fier die Schot etwas oder luv an.

Einfache Gewohnheit: Du steuerst so, dass die Fäden gleichmäßig liegen. Du trimmst mit der Schot, steuerst mit Rad oder Pinne und suchst den Zustand, in dem alle Fäden glatt nach hinten strömen. Das funktioniert besser als jedes Gerede über Grad und Winkel.

Schotspannung und Anstellwinkel

Die Schot ist die Leine, mit der du das Segel dichtholst oder ausfierst. Der Anstellwinkel ist der Winkel zwischen dem Segel und der Richtung, aus der es weht. Je höher du an den Wind gehst, desto dichter sind die Segel geholt, fast entlang der Bootsachse. Je mehr du den Wind von der Seite oder von hinten hast, desto weiter fierst du die Segel nach außen. Die entspannte Methode geht so: Fier die Schot langsam aus, bis sich das Vorliek des Segels leicht einzurollen oder zu killen beginnt. Dann hol ein kleines Stück dicht, gerade so viel, dass das Killen verschwindet. Das ist der gute Trimm für diesen Moment. Ändert sich der Kurs oder frischt es auf, wiederholst du das Spiel.

Flach oder bauchig

Auch die Form des Segels lässt sich regeln. Ein flaches Segel zieht weniger, legt das Boot aber weniger und verträgt starken Wind besser. Ein bauchiges Segel, mit mehr „Bauch", hat mehr Kraft bei wenig Wind. Auf einem kleinen masurischen Segelboot steuerst du das vor allem über die Spannung des Vorlieks (Zug auf Mast oder Vorstag) und den Zug am Unterliek. Grob gesagt: schwacher Wind, du willst Kraft, Segel bauchiger. Starker Wind, das Boot legt sich, du flachst das Segel ab und verlagerst die Kraft nach unten. Auf unserer Twister 26 von der Twister-Cup-Regatta ändern diese Einstellungen die Geschwindigkeit auf der Strecke tatsächlich, aber ein Anfänger kann in aller Ruhe mit der Schot und den Verklickern allein anfangen.

Groß und Fock spielen zusammen

Die beiden Segel arbeiten nicht getrennt. Der Wind, der von der Fock abläuft, fällt in den Spalt zwischen ihr und dem Groß und beschleunigt dort. Deshalb muss der Spalt offen sein und nicht verstopft. Ist die Fock zu dicht geholt, würgt sie das Groß von innen und das Groß beginnt am Mast zu killen. Ist das Groß zu dicht, bremst es. Du trimmst zuerst die Fock nach den Fäden, dann stellst du das Groß so ein, dass sein Vorliek am Mast nicht killt, aber auch nicht überzogen ist. Zwei aufeinander abgestimmte Segel ziehen zusammen stärker als die Summe zweier einzeln eingestellter.

Kurse mit dem Wind. Ausfieren

Kommt der Wind von hinten, dreht sich alles um. Die Fäden funktionieren nicht mehr gut, weil der Wind das Segel nicht umströmt, sondern schiebt. Hier gilt eine Regel: Fier die Segel so weit wie möglich aus, bis sie zu killen beginnen, dann hol ein kleines Stück dicht. Das Groß steht fast quer zum Boot. Die Fock verschwindet oft hinter dem Groß und hängt leblos, deshalb wird sie am Halbwind- bis Vorwindkurs auf die andere Seite umgelegt (Schmetterling) oder man setzt ein breiteres Vorsegel. Wie sich der Wind zu den Kursen verhält und woher diese ganze Geometrie kommt, haben wir im Text über die Windrose beschrieben.

Tabelle. Kurs und Segelstellung

Kurs zum WindWie die Segel einstellen
Hart am Wind (Am-Wind-Kurs)Segel dicht geholt, fast entlang der Bootsachse. Steuern nach den Fäden. Geh nicht zu hoch, sonst bleibst du stehen.
Halbwind (Wind von der Seite)Segel etwa zur Hälfte ausgefiert. Der schnellste und bequemste Kurs. Die Fäden funktionieren noch.
Raumwind (Wind von hinten-seitlich)Segel weit ausgefiert. Groß weit über die Bordwand hinaus. Die Fock beginnt hinter dem Groß zu erlahmen.
Vorwind (Wind genau von hinten)Groß maximal ausgefiert, quer. Fock auf die andere Seite (Schmetterling). Achtung vor der unkontrollierten Halse.

Trimm und Wind auf dem See

In Masuren ist der Wind launisch. Er dreht zwischen den Inseln, schwächelt in den Buchten und bläst in Böen auf dem offenen Wasser. Deshalb ist Trimmen keine einmalige Sache, sondern ständige Arbeit. Du lernst zu spüren, wann eine Bö kommt, und dann fierst du entweder das Groß aus, damit sich das Boot nicht legt, oder holst für einen Moment mehr Geschwindigkeit heraus. Legt es kräftiger zu, lohnt es sich, eine Skala zu kennen, mit der du die Stärke einschätzt. Wir haben sie im Ratgeber über die Beaufort-Skala auf die Seebedingungen heruntergebrochen. Und wenn du gegen den Wind willst, zu einem Ziel, das du genau vor dem Bug hast, reicht Trimmen allein nicht. Dann kommt das Kreuzen ins Spiel, also der Zickzack mit einer Reihe von Wenden.

Häufige Fragen

Was ist ein Telltale? Das ist ein Verklicker, ein dünner Wollfaden oder ein Band, nahe am Vorliek ans Segel genäht. Er zeigt, wie der Wind das Tuch umströmt. Er liegt flach und strömt nach hinten, wenn der Trimm gut ist. Er flattert, wenn das Segel falsch steht.

Warum legt sich die Yacht und verliert Geschwindigkeit? Meistens deshalb, weil die Segel zu dicht geholt oder für diese Windstärke zu bauchig sind. Die Energie geht in die Krängung statt in die Vorwärtsbewegung. Fier das Groß aus, flach das Segel ab, und das Boot richtet sich auf und beschleunigt.

Woran erkenne ich, dass ich einen guten Trimm habe? Die Verklicker strömen glatt nach hinten, die Segel killen nicht und sind nicht überzogen, das Boot läuft ruhig ohne große Krängung und das Ruder ist leicht. Wenn du ständig kräftig am Ruder drehen musst, um den Kurs zu halten, ist etwas schlecht getrimmt.

Hat Trimmen in Masuren, auf einem kleinen See, überhaupt Sinn? Ja. Der Wind auf den Seen dreht und pulsiert, ein guter Trimm bringt also einen echten Unterschied in Geschwindigkeit und Komfort. Dazu schult er das Gefühl fürs Boot, das dir überall nützt. Bei der Twister-Cup-Regatta in Giżycko gewinnt man genau über den Trimm.

Titelbild: Nt Design — CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

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