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Heckwärts an den Steg anlegen auf den Masuren: Schritt für Schritt erklärt
Das Anlegen mit dem Heck (das sogenannte römisch-katholische bzw. Mittelmeer-Anlegen, auf den Masuren sagt man einfach „mit dem Heck an den Steg") heißt: Du fährst rückwärts mit dem Heck an den Steg heran, hältst den Bug vom Steg weg – meistens über Dalben (Reihedalben/Anlegepfähle) oder eine Muring (den eigenen Anker wirfst du nur an wilden Plätzen) – und gibst zwei Heckleinen auf den Steg. So legst du in engen Häfen an, denn quer zum Steg passen mehr Boote nebeneinander als längsseits. Klingt heftig, ist aber eine Frage von ein paar Versuchen. Unten zerlege ich das in seine Einzelteile, damit auch ein Anfänger es packt.
Wann legt man überhaupt heckwärts an
In der Hochsaison, wenn die Häfen aus allen Nähten platzen, stellt der Hafenmeister die Boote quer zum Steg auf, weil so deutlich mehr reinpassen als längsseits. Aber Achtung bei einem Punkt: Quer passen genauso viele Boote rein, egal ob sie mit dem Bug oder mit dem Heck stehen. Mit dem Heck stellt man aus einem anderen Grund an. Erstens steigt man bequemer an Land. Ein Schritt vom Spiegel auf den Steg und du bist im Hafen. Mit dem Bug müsstest du dich über die Reling quälen. Zweitens kontrollierst du das Boot leichter, weil den Bug die Dalben oder die Muring halten und dich vom Steg wegziehen. Deshalb hörst du in Giżycko, Mikołajki oder Węgorzewo im Juli und August vom Hafenmeister am häufigsten: „Komm rückwärts rein". Mehr dazu, wo man in der Hochsaison überhaupt einen Platz findet, haben wir im Text wo man in der Hochsaison auf den Masuren anlegen kann geschrieben.
Was den Bug vom Steg weghält: Dalben, Muring, seltener der eigene Anker
Auf den Masuren halten den Bug fast immer Dalben oder eine Muring vom Steg weg. Den eigenen Anker wirft man in einem normalen Hafen nicht. Prüfe, was es im jeweiligen Hafen gibt, bevor du herangehst, denn davon hängt das ganze Manöver ab.
Dalben. Das ist die Methode Nummer eins auf den Masuren. Dalben sind Pfähle, die ein Stück vor dem Steg in den Grund gerammt sind. Du fährst rückwärts in den Slot zwischen zwei Dalben, wirfst die Bugleinen über die Pfähle (die halten den Bug vom Steg weg) und legst das Heck an den Steg. Kein eigener Anker, die Dalben machen die ganze Arbeit und halten den Bug starr. In unserer Basis, dem Port Royal in Giżycko, legt man genau so an.
Muring. Eine Muring ist eine Leine, die auf dem Grund liegt, mit einem Ende am Steg befestigt, mit dem anderen an einem Gewicht oder einer Kette, die auf dem Grund liegt. Achtung, denn hier verirren sich Anfänger am häufigsten. Wenn du rückwärts reinfährst, greifst du die Muring mit dem Bootshaken am Steg, also von der Heckseite aus, dort wo sie festgemacht ist. Dann gehst du mit dieser Leine schnell über Deck zum Bug und belegst sie auf der Bugklampe. Dann zieht die Muring den Bug vom Steg weg, genau wie eine Dalbe, nur weich. Versuch nicht, die Muring vom Bug aus zu greifen, denn sie liegt auf dem Grund und vom Bug aus erreichst du sie mit keinem Bootshaken. Du greifst sie vom Heck, am Steg, und trägst sie nach vorne.
Eigener Anker (nur wild). An einem wilden Winkel, ohne Dalben und Muring, kannst du den Bug über den eigenen Anker halten, den du beim Heranfahren vom Bug aus wirfst. Das ist die schwierigste Variante und in einem Hafen mit Dalben oder Muring machst du das nicht. Ich beschreibe sie unten separat. Zum Werfen und Halten am Anker selbst haben wir auch einen Ratgeber: Ankern der Yacht auf den Masuren.
Realität der Masuren: In ausgebauten Marinas wie Giżycko, Mikołajki oder der Ekomarina Węgorzewo gibt es fast immer Dalben oder Muringe (seltener schwimmende Y-Auslegerbäume, die dich an beiden Bordwänden halten). Den eigenen Anker wirfst du heckwärts eher in wilden Buchten als im Hafen.
Anfahrt Schritt für Schritt
Ich beschreibe den häufigsten masurischen Fall, also Dalben oder Muring. Die Variante mit dem eigenen Anker steht weiter unten.
Zuerst Beobachtung. Bevor du reinfährst, schau, woher es weht und wie die Nachbarn stehen. Wähle eine Lücke, und bei Dalben einen konkreten Slot zwischen zwei Pfählen. Leg dir fest, wo das Heck stehen soll. Bereite die Heckleinen an beiden Ecken des Spiegels vor, die Bugleinen bereit zum Überwerfen über die Dalben, den Bootshaken griffbereit für den Fall einer Muring, die Fender an den Bordwänden. Verteile die Rollen in der Crew: einer am Bug bei den Bugleinen und am Bootshaken, einer oder zwei am Heck mit den Leinen.
Dann fährst du heran. Du stellst das Boot mit dem Bug vom Steg weg, genau vor deine Lücke. Du hältst an, legst den Rückwärtsgang ein und fängst an, langsam rückwärts genau auf den Platz zu fahren. Die Arbeit rückwärts ist das schwierigste Element, denn beim Rückwärtsfahren läuft das Heck der Yacht zur Seite weg (der Schraubeneffekt, der sogenannte Prop-Walk), und das Ruder hält bei kleiner Geschwindigkeit schlecht. Deshalb fahre mit kleiner, aber deutlicher Geschwindigkeit rückwärts, damit das Ruder Wasser greift.
Den Schraubeneffekt nutze zu deinem Vorteil. Mach eine Probe auf offenem Wasser und prüfe, in welche Richtung deine Yacht das Heck beim Rückwärtsfahren versetzt. Dann wähle die Anfahrtsseite so, dass der Prop-Walk hilft, das Heck auf den Platz zu bringen. Und wenn du während des Manövers das Heck zur Seite kicken willst, verlass dich nicht aufs Ruder allein, denn beim Rückwärtsfahren wirkt es fast nicht. Das reale Werkzeug ist ein kurzer Impuls nach vorn mit hart auf die Seite gelegtem Ruder: Der Schraubenstrahl kickt das Heck zur Seite, und danach legst du wieder den Rückwärtsgang ein.
Den Bug hältst du vom Steg weg, sobald das Heck an den Steg kommt. Bei Dalben wirft die Person am Bug die Bugleinen über die Pfähle auf beiden Seiten, noch bevor das Heck den Steg erreicht. Bei einer Muring kommst du mit dem Heck an den Steg, greifst mit dem Bootshaken die Muringleine am Steg, trägst sie über Deck zum Bug und belegst sie auf der Bugklampe. In beiden Fällen geht es um dasselbe: Der Bug soll vom Steg weggezogen sein, bevor du dich um das Heck kümmerst.
Zum Schluss gibst du die Heckleinen. Wenn der Spiegel einen, zwei Meter vom Steg entfernt ist, gibt oder wirft die Person am Heck die Leine jemandem auf dem Steg (oder steigt selbst über, wenn es nah ist). Jede Leine führe zur Stegklampe leicht außerhalb deiner Spiegelecke. Dann bilden beide ein flaches V, sind gespreizt und blockieren das seitliche Schaukeln des Hecks. An einem sehr engen Platz kann man sie kreuzen, also die linke Ecke zur rechten Klampe und umgekehrt. Du machst beide Heckleinen fest, dann holst du die Bugleinen an den Dalben oder die Muring so dicht, dass die Yacht in einer Grätsche steht: Der gespannte Bug zieht nach vorn, die gespannten Leinen ziehen das Heck, das Boot hängt zwischen ihnen und schlägt nicht gegen den Steg. Wie man fehlerfrei auf der Klampe belegt, haben wir hier aufgeschrieben: Klampe, was das ist und wie man festmacht.
Eine Warnung zum Schluss. Bei der Arbeit rückwärts und beim Ablegen pass auf, dass eine lose Heckleine, die Ankerleine oder eine fremde Muring nicht unter den Spiegel in die Schraube gerät. Vor allem, wenn du Gas gibst. Nimm erst den Lauf aus den Leinen, dann manövriere.
| Schritt | Was du tust |
|---|---|
| 1. Erkundung | Du prüfst die Windrichtung, die freie Lücke, den Slot zwischen den Dalben, wie die Nachbarn stehen. Du legst den Platz fürs Heck fest. |
| 2. Vorbereitung | Heckleinen an den Spiegelecken, Bugleinen bereit für die Dalben, Bootshaken griffbereit für die Muring, Fender an beiden Bordwänden, Crew auf den Positionen. |
| 3. Aufstellung | Bug vom Steg weg, genau vor der Lücke, mit Abstandsreserve zum Steg. |
| 4. Arbeit rückwärts | Rückwärtsgang, du fährst langsam aber deutlich rückwärts, korrigierst mit dem Ruder und nutzt den Prop-Walk unter Kontrolle. |
| 5. Bug vom Steg weg | Bei Dalben wirfst du die Bugleinen über die Pfähle. Bei einer Muring greifst du sie mit dem Bootshaken am Steg und trägst sie zum Bug. |
| 6. Heckleinen | Du gibst zwei Leinen auf die Stegklampen, leicht außerhalb der Spiegelecken, sodass sie ein flaches V bilden. |
| 7. Ausrichten | Du spannst den Bug (Dalben oder Muring) und die Heckleinen so, dass die Yacht zwischen ihnen hängt und nicht anschlägt. |
Variante: eigener Anker im wilden Winkel
Das machst du nur dort, wo es keine Dalben und keine Muring gibt, zum Beispiel an einem wilden Steg ohne Ausstattung oder am Anker in einer Bucht. In einem Hafen mit Dalben oder Muring wirfst du den eigenen Anker nicht, denn du machst damit nur Chaos auf dem Grund und verhakst fremde Leinen.
Den Anker wirfst du früh. Dann, wenn der Bug und das ganze Boot noch weit weg sind, ungefähr zwei Rumpflängen von der Stelle entfernt, wo das Heck stehen soll (auf den flachen Masuren macht es keinen Sinn, weiter wegzugehen). Dann fährst du rückwärts und fierst die Leine, sodass sich der Anker in den Grund eingräbt, bevor das Heck an den Steg kommt. Nimm etwa drei- bis fünfmal die Wassertiefe an Leinenlauf, auf den flachen Masuren kommen meist ein gutes Dutzend Meter heraus. Bevor du das Heck an den Steg legst, belaste den Anker leicht, also einen Moment Rückwärtsgang bei gespannter Leine, und prüfe, ob er hält. Erst danach gibst du die Heckleinen. Der Rest des Manövers ist derselbe wie bei den Dalben: zwei Heckleinen ins flache V, und zum Schluss das Ausrichten, sodass die gespannte Ankerleine den Bug zieht und die Leinen das Heck.
Wind und Nachbarn
Der Wind ist der Hauptfaktor bei diesem Manöver und wirkt unterschiedlich, je nachdem, woher er weht. Es lohnt sich, drei Fälle zu erkennen.
Von der Seite, versetzender Wind. Das ist der Hauptfeind. Wenn es von der Seite weht, treibt die Yacht auf den Nachbarn ab, bevor du die Leinen geben kannst. Rat: Fahr mit einer leichten Korrektur gegen den Wind rein, ziel also mit dem Heck etwas gegen den Wind, damit dich der Versatz genau auf den Platz bringt. Fahr dann eine Spur schneller rückwärts, damit das Ruder Kraft hat und der Wind dich nicht wegdrücken kann. Wenn es stark weht, scheu dich nicht, für einen Moment die Drehzahl draufzulegen, um die Richtung zu fangen.
Von vorn (vom Bug), andrückender Wind. Der leichtere Fall, denn der Wind drückt dich selbst an den Steg. Fahr langsamer als sonst rein und pass auf, dass du nicht mit dem Heck gegen den Steg schlägst. Halte die Leinen sofort bereit, um die Anfahrt zu bremsen, bevor der Spiegel gegen den Steg stößt.
Von hinten (vom Heck), abdrückender Wind. Der schwierigste. Der Wind drückt den Bug vom Steg weg, also fällt der Bug in den Wind ab. Hier retten dich die Dalben oder die Muring, die den Bug halten. Fahr mit mehr Kraft rückwärts und halte die Heckleinen bereit zum sofortigen Geben, denn sonst läuft dir der Bug zur Seite weg, bevor du festmachen kannst.
Die Nachbarn sind die zweite Sache. Halte Fender an beiden Bordwänden, nicht nur an einer. Wenn du siehst, dass du auf ein fremdes Boot abtreibst, ist es besser abzudrehen, eine Runde zu drehen und noch einmal ranzugehen, als dich mit Gewalt reinzuquetschen und das Gelcoat zweier Boote zu verkratzen. Niemand bewertet dich für eine zweite Anfahrt. Für die eingedrückte Reling des Nachbarn schon.
Gute Praxis: Wenn Leute im Hafen sind, bitte jemanden auf dem Steg, eine Leine anzunehmen. Der Hafenmeister oder ein Nachbar hilft in der Regel. Das ist normal, so legt man in jedem masurischen Hafen an.
Die häufigsten Anfängerfehler
Den eigenen Anker in einem Hafen mit Dalben werfen. Ein Klassiker. Wenn es Dalben oder eine Muring gibt, nutze sie. Der eigene Anker im Hafen ist nur im Weg und sammelt fremde Leinen auf den Haken.
Die Muring vom Bug greifen. Die Muring liegt auf dem Grund und vom Bug aus erreichst du sie mit keinem Bootshaken. Du greifst sie vom Heck, am Steg, und trägst sie erst dann zum Bug.
Zu langsame Arbeit rückwärts. Leute haben Angst vor der Geschwindigkeit und fahren so langsam rückwärts, dass das Ruder nicht wirkt und die Yacht macht, was sie will. Paradoxerweise gibt etwas mehr Geschwindigkeit mehr Kontrolle.
Lose Leine unter der Schraube. Bevor du Gas gibst, nimm den Lauf aus den Leinen und pass auf die Ankerleine und die fremde Muring auf, damit nichts unter den Spiegel in die Schraube gerät.
Keine Rollenverteilung. Wenn alle an Bord alles und nichts machen, geht das Manöver daneben. Leg vorher fest: wer am Bug, wer an den Heckleinen, wer steuert.
Panik beim Versatz. Wenn der Wind die Yacht wegdrückt, erstarren Anfänger. Besser abdrehen und ein zweites Mal ranfahren, als auf der Stelle zu verharren und zuzusehen, wie du auf den Nachbarn abtreibst.
Häufige Fragen
Warum legt man mit dem Heck an und nicht mit dem Bug? Es geht nicht um Platz, denn quer zum Steg passen genauso viele Boote rein, egal ob sie mit dem Bug oder mit dem Heck stehen. Mit dem Heck stellt man deshalb an, weil man bequemer vom Spiegel an Land steigt und die Yacht sich besser kontrollieren lässt, weil den Bug die Dalben oder die Muring halten und ihn vom Steg wegziehen. In der Hochsaison stellen die Hafenmeister die Boote quer auf, damit der Hafen alle fasst, und am häufigsten eben mit dem Heck.
Womit hält man den Bug auf den Masuren vom Steg weg? Fast immer mit Dalben oder einer Muring. Dalben sind Pfähle vor dem Steg, über die du die Bugleinen wirfst. Eine Muring ist eine Leine, die auf dem Grund liegt, die du mit dem Bootshaken am Steg greifst und zum Bug trägst. Den eigenen Anker wirfst du nur an wilden Plätzen ohne Dalben und Muring, denn in einem normalen Hafen ist das überflüssig und stört die Nachbarn.
Wie greift man die Muring beim Heckanleger? Die Muring liegt auf dem Grund und ist mit einem Ende am Steg befestigt. Du fährst rückwärts rein, greifst sie mit dem Bootshaken vom Heck, genau dort, wo sie am Steg festgemacht ist. Dann gehst du mit der Leine über Deck zum Bug und belegst sie auf der Bugklampe. Versuch nicht, die Muring vom Bug zu greifen, denn sie liegt auf dem Grund und von vorn erreichst du sie nicht.
Wann wirft man den eigenen Anker, wenn es keine Dalben und keine Muring gibt? Früh. Du wirfst ihn, wenn das Boot noch weit weg ist, ungefähr zwei Rumpflängen von der Stelle entfernt, wo das Heck stehen soll. Dann fährst du rückwärts und fierst die Leine, sodass sich der Anker in den Grund eingräbt, bevor das Heck an den Steg kommt. Bevor du die Leinen gibst, nimm einen Moment Rückwärtsgang bei gespannter Leine und prüfe, ob der Anker hält. In einem Hafen mit Dalben oder Muring machst du das nicht.
Was tun, wenn es von der Seite weht? Ziel mit dem Heck etwas gegen den Wind, damit dich der Versatz genau auf den Platz bringt, und fahr eine Spur schneller rückwärts, damit das Ruder Kraft hat. Wenn du trotzdem auf den Nachbarn abtreibst, dreh ab und fahr noch einmal ran, statt dich mit Gewalt reinzuquetschen. Wenn der Wind vom Heck weht und dich vom Steg wegdrückt, stütz dich auf die Dalben oder die Muring, die den Bug halten, und halte die Heckleinen bereit zum sofortigen Geben.
Ist der Heckanleger für einen Anfänger schwierig? Am Anfang ja, denn die Arbeit rückwärts und der versetzende Wind verlangen Gefühl. Aber das ist eine Frage von ein paar Versuchen. Verteile die Rollen in der Crew, halte Fender an beiden Bordwänden und scheu dich nicht vor einer zweiten Anfahrt. Nach ein paar Anläufen geht es in Fleisch und Blut über.
Titelbild: NaCzarter.pl



