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Heckanlegen am Steg Schritt für Schritt: Ratgeber für Anfänger
Segelführer6 Min. Lesezeit

Heckanlegen am Steg Schritt für Schritt: Ratgeber für Anfänger

Heckanlegen am Steg Schritt für Schritt für Anfänger: wann man so anlegt, wie man rückwärts anfährt, wann man den Anker wirft und wie man mit dem abdriftenden Wind umgeht.

Das NaCzarter-Team

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Heckanlegen am Steg auf den Masuren: so geht's Schritt für Schritt

Das Heckanlegen (auch "römisch-katholisch" oder "Mittelmeer-Anleger" genannt, auf den Masuren sagt man schlicht "mit dem Heck an den Steg") bedeutet: Du fährst rückwärts an die Kaimauer, wirfst vom Bug den Anker oder greifst dir eine Muring/Y-Boje, und gibst zwei Heckleinen auf den Steg. So legst du in engen Häfen an, wo es wenig Platz gibt und längsseits nur halb so viele Boote passen würden. Klingt bedrohlich, ist aber eine Frage von ein paar Versuchen. Unten zerlege ich das Ganze in seine Einzelteile, damit auch ein Anfänger es hinkriegt.

Wann legt man überhaupt mit dem Heck an

In der Hochsaison, wenn die Häfen aus allen Nähten platzen, stellt der Hafenmeister die Boote mit dem Heck zum Steg, weil so deutlich mehr reinpassen. Mit dem Bug am Steg belegt jede Yacht ein breites Stück Kaimauer. Mit dem Heck am Steg stehen sie dicht an dicht, eine neben der anderen, wie in einer Garage. Deshalb hörst du in Giżycko, Mikołajki oder Węgorzewo im Juli und August meistens vom Hafenmeister: "rückwärts rein". Mehr dazu, wo man in der Hochsaison überhaupt einen Platz findet, haben wir im Text wo man in der Hochsaison auf den Masuren anlegt geschrieben.

Zweite Sache: mit dem Heck geht man bequemer an Land. Ein Steg oder ein Schritt vom Heckspiegel auf den Steg und du bist im Hafen. Über den Bug müsstest du dich durch die Reling quälen.

Bug und Anker, oder Y-Boje

Es gibt zwei Varianten, je nach Hafen. In modernen Marinas liegen am Grund sogenannte Y-Bojen oder Muringleinen: Leinen oder schwimmende Arme, die am Steg befestigt sind und den Bug halten. Dann bleibt der Anker im Kasten und du greifst dir nur die Muring und machst sie am Bug fest. Einfacher.

In älteren und wilderen Häfen gibt es keine Muringleinen. Dann hältst du den Bug mit dem eigenen Anker, den du in der Anfahrt wirfst. Das ist die schwierigere Variante, weil man den Moment und die Kettenlänge gut abschätzen muss. Zum Ankerwerfen und Ankerhalten selbst haben wir einen eigenen Ratgeber: Ankern der Yacht auf den Masuren. Lies ihn, bevor du das Heckanlegen ohne Muring probierst.

Die Anfahrt Schritt für Schritt

Zuerst beobachten. Bevor du reinfährst, schau, woher es weht und wie die Nachbarn liegen. Such dir eine Lücke aus, leg dir fest, wo das Heck stehen soll. Bereite die Heckleinen an beiden Ecken des Heckspiegels vor, Fender an die Seiten, den Anker wurfbereit (falls ohne Muring). Verteile die Rollen in der Crew: einer am Bug beim Anker, einer oder zwei am Heck mit den Leinen.

Dann fährst du an. Du stellst die Yacht mit dem Bug vom Steg weg, genau vor deine Lücke, in etwa zwei Rumpflängen Abstand. Du stoppst, legst den Rückwärtsgang ein und fängst an, langsam gerade auf den Platz zu zufahren. Die Rückwärtsfahrt ist das schwierigste Element, weil das Heck der Yacht rückwärts zur Seite ausbricht (der sogenannte Radeffekt) und das Ruder bei geringer Geschwindigkeit schlecht greift. Deshalb fahr mit langsamer, aber deutlicher Geschwindigkeit rückwärts, damit das Ruder Wasser fasst.

Den Anker wirfst du vom Bug in dem Moment, in dem der Bug einen Punkt in etwa einer Bootslänge (oder zwei) Abstand vom Steg passiert. Nicht zu nah, sonst kann sich der Anker nicht eingraben und du "reitest" auf ihm. Nicht zu weit, sonst reicht die Kette nicht. Du fierst die Kette gleichmäßig, während du rückwärts fährst, und bremst sie leicht ab, damit sich der Anker legt und zu halten beginnt. Bei einer Muring greifst du sie stattdessen mit dem Bootshaken, wenn der Bug über die Leine kommt.

Zum Schluss gibst du die Heckleinen. Wenn der Heckspiegel ein, zwei Meter vom Steg entfernt ist, gibt oder wirft die Person am Heck die Leine jemandem auf dem Steg zu (oder steigt selbst aus, wenn es nah genug ist). Du machst beide Heckleinen an den Klampen des Stegs fest, dann holst du den Anker oder die Muring am Bug so dicht, dass die Yacht im Spagat steht: der gespannte Anker zieht den Bug, die gespannten Leinen ziehen das Heck, das Boot hängt dazwischen und schlägt nicht gegen den Steg. Wie man ohne Fehler auf einer Klampe belegt, haben wir hier aufgeschrieben: Klampe, was das ist und wie man belegt.

SchrittWas du machst
1. ErkundungDu prüfst die Windrichtung, die freie Lücke, wie die Nachbarn liegen. Du legst den Platz fürs Heck fest.
2. VorbereitungHeckleinen an den Ecken des Heckspiegels, Fender an die Seiten, Anker bereit, Crew auf den Stationen.
3. AusrichtungBug vom Steg weg, genau vor der Lücke, zwei Rumpflängen von der Kaimauer.
4. RückwärtsfahrtRückwärtsgang, langsam aber deutlich rückwärts, korrigierst mit dem Ruder und kurzen Gasstößen.
5. Anker / MuringWirfst den Anker vom Bug ein bis zwei Bootslängen vom Steg und fierst die Kette, oder greifst die Muring mit dem Bootshaken.
6. HeckleinenGibst zwei Leinen auf die Klampen des Stegs, wenn der Heckspiegel ein bis zwei Meter von der Kaimauer ist.
7. AusrichtenSpannst Anker/Muring und Leinen so, dass die Yacht dazwischen hängt und nicht anschlägt.

Seitenwind und Nachbarn

Der abdriftende Wind ist der Hauptfeind bei diesem Manöver. Wenn es von der Seite weht, driftet die Yacht auf den Nachbarn ab, bevor du die Leinen geben kannst. Rat: fahr mit einem leichten "Vorhalt" rein, das heißt ziel mit dem Heck ein bisschen luvwärts, damit die Abdrift dich genau auf den Platz bringt. Fahr dann etwas schneller rückwärts, damit das Ruder Kraft hat und der Wind dich nicht wegdrücken kann. Wenn es stark weht, scheu dich nicht, für einen Moment ein paar Umdrehungen draufzulegen, um die Richtung zu fangen.

Die Nachbarn sind die zweite Sache. Hab Fender an beiden Seiten, nicht nur an einer. Wenn du siehst, dass du auf ein fremdes Boot abdriftest, ist es besser, abzudrehen, eine Runde zu machen und noch einmal anzufahren, als dich mit Gewalt reinzuquetschen und bei zwei Booten das Gelcoat zu zerkratzen. Niemand verurteilt dich für eine zweite Anfahrt. Für eine eingedrückte Reling des Nachbarn schon.

Gute Praxis: wenn Leute im Hafen sind, bitte jemanden auf dem Steg, eine Leine anzunehmen. Der Hafenmeister oder der Nachbar hilft in der Regel. Das ist normal, so legt man in jedem masurischen Hafen an.

Die häufigsten Anfängerfehler

Zu frühes oder zu spätes Werfen des Ankers. Zu nah am Steg kann der Anker den Grund nicht fassen, zu weit reicht die Kette nicht und die Yacht steht zu weit von der Kaimauer. Schätz das nach Augenmaß ab, ein bis zwei Bootslängen.

Zu langsame Rückwärtsfahrt. Leute haben Angst vor der Geschwindigkeit und fahren so langsam rückwärts, dass das Ruder nicht wirkt und die Yacht macht, was sie will. Paradoxerweise gibt etwas mehr Geschwindigkeit mehr Kontrolle.

Keine Rollenverteilung. Wenn alle an Deck alles und nichts machen, geht das Manöver schief. Leg vorher fest: wer am Anker, wer an den Leinen, wer steuert.

Panik bei der Abdrift. Wenn der Wind die Yacht wegdrückt, erstarren Anfänger. Besser abdrehen und ein zweites Mal anfahren, als auf der Stelle zu verharren und zuzusehen, wie man auf den Nachbarn abdriftet.

Häufige Fragen

Warum legt man mit dem Heck an und nicht mit dem Bug? Weil so viel mehr Boote auf demselben Stück Steg passen und das Aussteigen über das Heck bequemer ist als der Weg über den Bug. In der Hochsaison stellen die Hafenmeister die Boote genau deshalb mit dem Heck an, damit der Hafen alle fasst.

Wann wirft man den Anker beim Heckanlegen? Während der Rückwärtsanfahrt, wenn der Bug einen Punkt in etwa ein bis zwei Rumpflängen Abstand vom Steg passiert. Zu nah kann sich der Anker nicht eingraben, zu weit reicht die Kette nicht. Danach fierst du die Kette gleichmäßig, während du rückwärts fährst.

Was tun, wenn es von der Seite weht? Ziel mit dem Heck ein bisschen luvwärts, damit die Abdrift dich genau auf den Platz bringt, und fahr etwas schneller rückwärts, damit das Ruder Kraft hat. Wenn du trotzdem auf den Nachbarn abdriftest, dreh ab und fahr noch einmal an, statt dich mit Gewalt reinzuquetschen.

Ist Heckanlegen für Anfänger schwierig? Am Anfang ja, weil die Rückwärtsfahrt und der abdriftende Wind Gefühl verlangen. Aber es ist eine Frage von ein paar Versuchen. Verteil die Rollen in der Crew, hab Fender an beiden Seiten und scheu dich nicht vor der zweiten Anfahrt. Nach ein paar Malen geht es in Fleisch und Blut über.

Titelbild: NaCzarter.pl

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