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Segel reffen: wann und wie man die Segelfläche verkleinert, um sicher zu segeln
Segelführer6 Min. Lesezeit

Segel reffen: wann und wie man die Segelfläche verkleinert, um sicher zu segeln

Regel Nummer eins: Reffe, sobald du zum ersten Mal daran denkst. Ein praktischer Ratgeber zum Reffen des Großsegels und Einrollen der Fock, mit Windtabelle und Balance-Regeln für masurische Böen.

Das NaCzarter-Team

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Wann reffen? Sobald du zum ersten Mal daran denkst

Die Regel ist so alt wie das Segeln selbst, und in 25 Jahren Chartergeschäft habe ich keine Ausnahme davon gefunden: reffe genau dann, wenn dir der Gedanke zum ersten Mal kommt. Nicht „in zehn Minuten“, nicht „nach diesem Schlag“, nicht „wenn es noch mehr auffrischt“. Wenn du ans Reffen denkst, heißt das, der Wind ist schon an der Grenze. Und in Masuren kann sich diese Grenze in wenigen Minuten verschieben, denn eine sommerliche Bö kommt schneller, als du das Großfall klarieren kannst.

Das beste Reffen ist das, das niemand sieht, weil du es noch im Hafen oder auf ruhigem Wasser im Windschatten des Waldes erledigt hast. Ein zu früh eingebundenes Reff ist schnell wieder ausgeschüttelt. Ein Reff, das du in der Bö einbindest, ist ein Kampf mit killendem Tuch, krängendem Deck und den eigenen Nerven.

Was ist überhaupt ein Reff

Ein Reff ist schlicht die Verkleinerung der Segelfläche. Ein kleineres Segel fängt weniger Wind, das Boot krängt weniger, das Ruder wird leichter, und die Crew sitzt nicht mehr mit weißen Knöcheln auf der Kante. Auf einem typischen masurischen Charterboot hast du zwei Möglichkeiten: das Großsegel reffen und die Fock auf der Rollanlage einrollen. Das Groß hat meist ein oder zwei Reffs, also zwei „Etagen“, um die man es kürzen kann.

Wichtig für Anfänger: Ein gerefftes Boot fährt bei starkem Wind keineswegs langsamer. Es fährt schneller und gerader, weil es sich nicht auf die Seite legt und nicht gegen das Ruder kämpft. Krängung über einen bestimmten Winkel hinaus ist reiner Verlust: Der Rumpf bremst, das Ruder hält den Kurs nicht mehr, und die Segel arbeiten sowieso nicht gut.

Wie man das Großsegel refft

Je nach Boot triffst du auf zwei Systeme. Wenn du nicht weißt, welches du hast, frag bei der Bootsübergabe nach. Im Ernst, diese eine Frage erspart später viel Stress.

Reffbändsel, der Klassiker

Die Reihenfolge ist immer ähnlich. Stell das Boot mit dem Bug nah an die Windlinie, am bequemsten mit langsam laufendem Motor, damit das Groß nicht arbeitet. Fiere das Großfall und lass das Segel bis zur Höhe der Reffkausch herunter. Befestige das Reff-Halshorn am Baum und hole das Fall wieder durch. Erst danach hole und spanne die Reffleine des Schothorns. Zum Schluss sammle das lose Tuch ein und binde es mit den Reffbändseln entlang des Baums fest. Die Bändsel ordnen nur das Tuch, sie tragen keinerlei Last, also nicht mit Gewalt festzurren.

Reffsystem mit Leinen (Patentreff)

Manche Boote haben ein Patentreff, bei dem die ganze Operation mit Leinen vom Cockpit aus oder mit einer Kurbel am Baum erledigt wird. Praktisch, weil niemand aufs Kajütdach klettern muss. Das Prinzip ist dasselbe: Fall fieren, Reffleine durchholen, Fall wieder durchsetzen. Die Systeme unterscheiden sich im Detail von Boot zu Boot, also nochmal: frag den Vercharterer bei der Übergabe, und am besten machst du am ersten Tag bei schwachem Wind ein Probe-Reff.

Rollfock: die einfachste Segelreduzierung

Die Fock ist auf Charterbooten fast immer auf dem Vorstag aufrollbar. Das ist der schnellste Weg, die Segelfläche zu verkleinern: Du fierst die Fockschot, ziehst an der Rollleine, und das Segel wickelt sich um das Vorstag. Du kannst einen Teil einrollen oder alles. Eine teilweise eingerollte Fock hat ein schlechteres Profil und zieht schwächer, aber bei starkem Wind ist das kein Problem, denn Kraft hast du sowieso im Überfluss.

Ein Hinweis: Die Rollfock verführt dazu, nur mit ihr zu reffen, weil es zwei Sekunden Arbeit ist. Und hier kommt das Thema Balance ins Spiel.

Balance: kleineres Groß oder kleinere Fock

Ein Boot unter Segeln sollte leicht luvgierig sein, also von selbst sanft in den Wind drehen wollen. Das ist sicher, denn ein losgelassenes Ruder stellt das Boot in den Wind und nimmt den Druck raus. Das Problem beginnt, wenn du die Segel ungleichmäßig reduzierst.

  • Rollst du zu viel Fock ein und lässt das Groß voll stehen: Das Boot wird stark luvgierig, das Ruder schwer, und es schießt bei jeder Bö in den Wind.
  • Reffst du das Groß stark und lässt die Fock voll: Das Boot wird leegierig, dreht von selbst vom Wind weg und lässt sich schwer anluven. Das ist die schlechtere Situation, denn in der Bö willst du schnell anluven und den Druck rausnehmen können.

Deshalb reduziere ungefähr proportional. Die typische Reihenfolge auf einem masurischen Boot: zuerst das erste Reff im Groß, dann die Fock um ein Drittel bis zur Hälfte einrollen, dann das zweite Reff im Groß und die Fock tiefer eingerollt. Zieht das Boot weiterhin mit dem Ruder in den Wind, leg ein weiteres Reff ins Groß. Will es nicht anluven, roll etwas mehr Fock ein. Mehr darüber, wie man das Boot am Ruder spürt, findest du im Text über das Segeltrimmen für Anfänger.

Wie viel Wind, wie viel Segel

Unten eine Orientierungstabelle für ein typisches Charter-Segelboot mit einer Crew mit wenig bis mittlerer Erfahrung. Die Skala und wie sie auf dem See aussieht, haben wir separat im Artikel über die Beaufort-Skala auf dem See beschrieben.

WindWas du mit den Segeln machst
1-3 Bft, leicht und mäßigVolle Segel. Ein guter Moment, um das Reffen in Ruhe zu üben.
4 Bft, weiße Schaumkronen auf den WellenAnfänger-Crew: erstes Reff im Groß, Fock leicht eingerollt. Erfahrene: volle Segel, aber Reff in Bereitschaft.
5 Bft, der Wind drückt deutlichReff im Groß plus teilweise eingerollte Fock für jeden. Anfänger bleiben am besten gleich im Hafen.
6 Bft, starker WindZweites Reff, Fock tief eingerollt oder ganz weggerollt. Wasser nur für erfahrene Crews.
7 Bft und mehr, BöenSegel weg, Motor, Kurs auf den Hafen oder einen geschützten Platz. Niemand muss irgendetwas beweisen.

Betrachte das als Ausgangspunkt, nicht als starres Gesetz. Boot ist nicht gleich Boot, Crew nicht gleich Crew.

Wann die Segel runter und unter Motor gehen

Es gibt einen Moment, in dem Reffen keinen Sinn mehr hat. Wenn sich das Boot selbst mit verkleinerten Segeln in den Böen auf die Seite legt, das Ruder gegen dich kämpft und die Crew Angst hat, dann berge oder roll alles weg und fahr unter Motor. Mit dem Bug gegen Wind und Welle, ruhig, zum nächsten geschützten Platz. Der Motor auf einem masurischen Segelboot ist keine Schande, er ist eine Sicherheitsausrüstung.

Und die wichtigste, masurische Sache: Sommerböen kommen schnell, oft nach einem heißen, schwülen Tag. Eine schwarze Wolkenwand aus Westen ist das Signal, die Segel jetzt zu verkleinern, nicht in einer Viertelstunde. Die Geschichte kennt das Ende, wenn man dieses Signal ignoriert, wir haben es im Text über die weiße Bö in Masuren beschrieben. Prüfe die Vorhersage vor jedem Auslaufen, wie man das seglerisch macht, beschreiben wir im Ratgeber über Wetter und Sicherheit in Masuren. Wenn die Vorhersage mehr als 5 Bft sagt und du in deiner ersten oder zweiten Saison segelst, bleib im Hafen. Der See läuft nicht weg.

Häufige Fragen

Wann sollte man die Segel reffen? Sobald du zum ersten Mal daran denkst. Am besten noch im Hafen oder auf ruhigem Wasser, auf Basis der Vorhersage und dessen, was du am Himmel siehst. Ein zu früh eingebundenes Reff ist schnell wieder ausgeschüttelt, ein Reff in der Bö ist schon eine Rettungsaktion.

Macht Reffen das Boot langsamer? Bei starkem Wind nicht. Ein mit Segeln überlastetes Boot legt sich auf die Seite, bremst mit dem Rumpf und giert um den Kurs. Ein gerefftes Boot fährt gerader und schneller, und die Crew sitzt im Cockpit statt an der Kante zu hängen.

Was tun, wenn ich vor der Bö nicht mehr reffen konnte? Nimm zuerst den Druck raus: Schoten fieren und anluven. Roll die Fock auf der Rollanlage ein, das geht am schnellsten. Dann starte den Motor, stell den Bug nah an die Windlinie und reffe oder berge das Groß erst dann in Ruhe. Versuch nicht, mit vollem Druck in den Segeln zu reffen.

Reicht es, nur die Fock einzurollen, statt das Groß zu reffen? Für die erste Reduzierung oft ja. Aber wenn du viel Fock einrollst und das Groß voll stehen lässt, wird das Boot übermäßig luvgierig und schwer am Ruder. Bei stärkerem Wind reffe auch das Groß, um die Balance zu erhalten.

Titelbild: WEI, WAN-CHEN(魏琬臻) — CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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