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Die Nordroute Masurens: von Giżycko über Sztynort nach Węgorzewo
Routen & Törns5 Min. Lesezeit

Die Nordroute Masurens: von Giżycko über Sztynort nach Węgorzewo

Den Süden Masurens kennt jeder. Die Nordroute von Giżycko über Kisajno, Dargin und Sztynort auf den Mamry ist die ruhigere, „maritimere“ Seite des Reviers. Wir zerlegen die Route in Etappen und verraten, wo man übernachtet.

Das NaCzarter-Team

5 Min. Lesezeit

Die Nordroute – die ruhigere Seite Masurens

Die Nordroute ist ein Törn von Giżycko über Kisajno, Dargin und Kirsajty auf den Mamry-See, mit Zwischenstopp in Sztynort und Ziel in Węgorzewo. Hin und zurück passt sie locker in 2-3 Tage, lässt sich also gut in ein langes Wochenende packen. Den Süden mit Mikołajki und dem Śniardwy kennt jeder, der schon mal eine Yacht gechartert hat. Der Norden ist eine andere Welt: weniger Trubel, breiteres Wasser und Segeln, das sich streckenweise wie ein kleines Meer anfühlt.

Ich betreibe seit 25 Jahren Yachtcharter in Giżycko, und diese Route liegt quasi direkt hinter unserem Steg. Unsere Basis Port Royal liegt am Kisajno, also schon auf der Nordseite der Stadt. Unten zerlege ich die Route in Etappen – genau so, wie man sie in der Praxis segelt.

Etappe 1: Giżycko und der Łuczański-Kanal

Wenn du die Yacht am Niegocin übernimmst, geht es nach Norden durch den Łuczański-Kanal. Der Kanal schneidet mitten durch Giżycko und hat einen Haken: die Drehbrücke. Sie öffnet zu festen Zeiten. Kommst du fünf Minuten zu spät, wartest du auf die nächste Öffnung. Deshalb plant man die Durchfahrt im Voraus, am besten mit dem aktuellen Fahrplan auf dem Handy. Die Zeiten und den ganzen Ablauf haben wir im Artikel über die Drehbrücke in Giżycko beschrieben.

Ein Start ab Port Royal nimmt dir dieses Problem ab. Die Basis liegt am Kisajno, du startest also direkt auf die Nordroute – ohne Kanal und ohne auf die Uhr zu schauen.

Etappe 2: Kisajno und seine Inseln

Hinter dem Kanal öffnet sich der Kisajno. Ein See mit dem Flair eines kleinen Archipels: Zwischen den Inseln verstecken sich geschützte Wasserflächen und Buchten. Gut für die ersten Stunden des Törns, denn das Wasser ist hier ruhiger als weiter im Norden. Der Kisajno ist auf dieser Route auch der beste Platz für eine wilde Übernachtung. Du liegst in einer Bucht vor eigenem Anker, weit weg vom Hafentrubel. Wie das legal und sicher geht, steht in unserem Ratgeber zum wilden Ankern. Denk nur daran: Masuren ist Schutzgebiet – Müll und Fäkalien nimmst du mit, nichts geht in den See.

Etappe 3: Dargin und ein Abstecher nach Sztynort

Vom Kisajno geht es hinaus auf den Dargin, und hier ändert sich der Charakter des Segelns. Schluss mit geschützten Wasserflächen, es beginnt breites, offenes Wasser. Bei kräftigerem Wind, vor allem aus Nord, baut sich echte Welle auf. Für eine Crew, die nur den Süden kennt, ist das oft die erste Überraschung der Route. Mehr zum Revier findest du im Segelführer für den Dargin.

In der Bucht am Westufer des Dargin liegt Sztynort. Eine bekannte Marina, ein Schloss und eine Atmosphäre, die es sonst nirgends auf der Route gibt. Ein natürlicher Stopp für die Nacht oder eine längere Pause. Sztynort haben wir einen eigenen Artikel gewidmet, denn ein Satz reicht hier nicht.

Etappe 4: Kirsajty und hinaus auf den Mamry

Von Sztynort kehrst du auf den Dargin zurück und nimmst Kurs Nord, in die Engstelle Kirsajty. Ein schmaler, ruhigerer Abschnitt – ein Moment zum Durchatmen nach dem offenen Wasser. Und dann kommst du auf den eigentlichen Mamry, und es wird richtig weitläufig. Das ist die größte offene Fläche des ganzen Seenkomplexes. Du ziehst lange Schläge bis zum Horizont, und kaum jemand kreuzt deinen Kurs. Es segelt sich wie auf einem kleinen Meer – und genau dafür fährt man nach Norden.

Das Ziel: Węgorzewo

Am Nordende des Mamry wartet Węgorzewo. Eine Stadt, kleiner und ruhiger als Giżycko oder Mikołajki, mit Häfen, in denen du ohne Stress einen Platz findest. Gut für den Abend, zum Auffüllen von Proviant und Wasser vor dem Rückweg. Wo du festmachst und was du vor dem Einlaufen checken solltest, haben wir im Hafenführer für Węgorzewo zusammengetragen. Der Rückweg auf derselben Strecke wird übrigens nicht langweilig: Der Wind steht anders, und dieselben Seen segeln sich wie neu.

Die Route im Überblick

EtappeWas dich auf dem Wasser erwartet
Giżycko und der Łuczański-KanalDurchfahrt mitten durch die Stadt, Drehbrücke mit festen Öffnungszeiten. Im Voraus planen.
KisajnoInseln und geschützte Buchten, Flair eines kleinen Archipels. Bester Platz für eine wilde Übernachtung.
Dargin und SztynortBreites, offenes Wasser, bei Nordwind Welle. In der Westbucht Marina und Schloss in Sztynort.
KirsajtyEngstelle zwischen Dargin und Mamry, ruhiges Verbindungsstück vor dem breitesten Wasser.
Mamry und WęgorzewoGrößte offene Fläche des Komplexes, lange Schläge. Hafen am Nordende für die Nacht und Einkäufe.

Für wen ist diese Route

Für Leute, die längere Schläge mögen und weniger Hafentrubel. Im Süden segelst du ständig Bord an Bord mit jemandem – hier kannst du ein gutes Stück See ganz für dich haben. Sie funktioniert auch prima als Ergänzung einer Woche: der halbe Törn in den bekannten Süden, die andere Hälfte in den Norden.

Anfänger schaffen das, mit einer Einschränkung: die Wettervorhersage. Dargin und Mamry sind offenes Wasser, und bei starkem Wind wächst die Welle schnell. Wenn es kräftig aus Nord bläst, wartet man besser in Sztynort oder in einer Bucht des Kisajno ab, statt sich mit Gewalt durchzukämpfen. Das ist kein Wettrennen.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für die Strecke von Giżycko nach Węgorzewo und zurück? Locker 2-3 Tage hin und zurück. Ein langes Wochenende reicht, und bei einem Wochencharter lässt sich der Norden schön mit dem klassischen Süden kombinieren.

Ist die Nordroute für Anfänger geeignet? Ja – vorausgesetzt, du schaust auf die Vorhersage. Dargin und Mamry sind offenes Wasser, und bei kräftigem Wind baut sich Welle auf. Bei schwächerem Wind ist es eine der angenehmsten Routen, um längere Schläge zu üben.

Wann öffnet die Drehbrücke in Giżycko? Die Brücke öffnet zu festen Zeiten, und danach planst du die Durchfahrt durch den Łuczański-Kanal. Den aktuellen Fahrplan findest du in unserem Artikel über die Drehbrücke. Wenn du ab Port Royal am Kisajno startest, betrifft dich der Kanal überhaupt nicht.

Wo übernachtet man auf der Nordroute? Drei bewährte Optionen: die Marina in Sztynort, die Häfen in Węgorzewo und wilde Ankerplätze in den Buchten des Kisajno. Wild liegst du vor eigenem Anker, in den Häfen machst du an Dalben oder Muring fest.

Titelbild: Pitert — CC BY-SA 2.5, via Wikimedia Commons

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