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Die Route westlich von Giżycko: Tajty, Boczne und der Weg nach Mikołajki
Das ist der ruhigste Teil der Großen Masurischen Seen, den man von Giżycko aus in wenigen Tagen fahren kann. Weniger offenes Wasser als im Norden, praktisch alle paar Meilen ein Hafen, und jeder Abschnitt lässt sich kürzen oder abbrechen, ohne dass der ganze Plan kippt. Du legst auf dem Kisajno ab, passierst die Drehbrücke, querst den Niegocin und kommst in ein Revier, in dem der Wind keinen Anlauf nehmen kann. Für eine Crew, die zum ersten Mal unterwegs ist, Kinder an Bord hat oder nur vier Tage Zeit, ist das die bessere Wahl als gleich der Śniardwy.
Der erste Tag beginnt mit der Brücke, nicht mit dem Kaffee
Wenn du vom Port Royal am Kisajno startest, ist dein erstes Hindernis die Drehbrücke in Giżycko. Sie öffnet zu festen Zeiten, und sie bestimmt den Tagesplan, nicht umgekehrt. In der Hochsaison bildet sich vor der Öffnung eine Schlange von Yachten, also bist du entweder früh dabei oder du liegst und schaust zu. Prüfe die Zeiten vor dem Törn: Drehbrücke Giżycko, Öffnungszeiten. Fünf Minuten Arbeit an Land, die den ersten Törntag retten.
Im Kanal selbst geht es langsam unter Maschine voran, mit Fendern an beiden Seiten. Der Verkehr ist manchmal dicht. Wenn du mit einem Hausboot fährst, denk daran: Der hohe Aufbau fängt Seitenwind, und zwischen den Kaimauern versetzt es dich schneller, als du erwartest. Halte minimale Fahrt, aber so viel, dass das Ruder noch greift.
Niegocin: eine Überfahrt, kein Ziel
Hinter der Brücke öffnet sich der Niegocin, und das ist der offenste Abschnitt der ganzen Route. Bei Westwind fährst du über den halben See mit dem Bug in die Welle, und die halbe Crew hat schnell genug davon. Gefährlich ist daran nichts, es ist nur nass und laut. Deshalb macht man diese Überfahrt morgens, wenn das Wasser noch schläft. Mehr über den Charakter dieses Reviers findest du in unserem Revierführer zum See Niegocin.
Kurs: Westende des Sees und Einfahrt in den Kanal zum Tajty. Kanal heißt wieder Maschine, langsam und aufmerksam. Ausweichstellen gibt es, aber sie sind eng.
Tajty: hier fängt die Route wirklich an
Auf dem Tajty haben wir derzeit 41 Boote, und das sagt einiges über das Revier. Es liegt geschützt, hat mehrere ordentliche Häfen und kurze Distanzen. Du machst fest im Hafen des Hotels Tajty in Wilkasy, im Yacht Port Piękna Góra, im Port Wrony oder im Port Koncha. Die Sprünge dazwischen sind kurz, wenn es also weht, musst du nirgendwo mit Gewalt hin.
Hier findet die Crew auch zum ersten Mal ihren Rhythmus. Anlegemanöver an Dalben oder an der Muring, Bootshaken in der Hand, die Muringleine wird vom Heck aufgenommen und längsseits nach vorn zum Bug durchgeholt. Auf dem Tajty machst du das in verschiedenen Häfen mehrmals hintereinander, und nach zwei Tagen schreit beim Anlegen niemand mehr.
Variante eins: Runde über Boczne und Rydzewo
Vom Revier Tajty und Niegocin geht es hinunter auf den See Boczne. Dort haben wir 27 Boote, und dieser kleine See hat ein ganz anderes Flair als die Hauptroute. Stiller, weniger Fahrgastschiffe, die Ufer näher. Häfen: Port Zielona Zatoka und Port Sun Bila in Bogaczewo, in Rydzewo „Tło dla mew". Rydzewo ist ein typisches masurisches Dorf am Wasser, gut für einen Tag ohne Fahrt.
Diese Runde sind zwei, drei entspannte Tage. Du kehrst über den Niegocin nach Giżycko zurück, wieder unter der Brücke durch, und bist an der Basis. Ideal, wenn du von Samstag bis Samstag gebucht hast und die halbe Zeit im Wasser statt auf Wache verbringen willst.
Variante zwei: weiter nach Süden, bis Mikołajki
Wenn du eine volle Woche hast und die Crew in Form gekommen ist, fährst du vom Boczne durch den Kanal auf den Jagodne und weiter nach Süden. Der Jagodne ist lang und schmal, der Wind verteilt sich entlang der Seeachse, er schiebt dich also entweder oder bläst dir direkt auf den Bug. Danach der Szymoneckie und die Einfahrt in den Tałty, mit dem Ryńskie gleich nebenan. Dieser Abschnitt hat einen anderen Charakter: hohe Ufer, Wälder bis ans Wasser, viel Fahrgastschiffverkehr. Wir haben ihn gesondert im Revierführer zu Tałty und Ryńskie beschrieben.
Vom Tałty nach Mikołajki bleibt der letzte Abschnitt. Mikołajki ist im Juli überlaufen, einen Liegeplatz solltest du vorher bestätigt haben, und in die Stadt fährt man oft in der Warteschlange ein. Dafür läuft eine Crew nach einer Woche auf dem Wasser dort ein wie zu Hause.
Die Abschnitte im Überblick
| Abschnitt | Charakter | Worauf achten |
|---|---|---|
| Kisajno, Drehbrücke, Ausfahrt auf den Niegocin | kurz, hafennah, unter Maschine | Öffnungszeiten der Brücke und Warteschlange in der Hochsaison, dichter Verkehr im Kanal |
| Niegocin, Überfahrt nach Westen | offenstes Wasser der Route | Westwind direkt auf den Bug, die Welle baut sich nachmittags schnell auf |
| Kanal zum Tajty | eng, langsam, aufmerksam | Seitenwind auf den hohen Aufbau, enge Ausweichstellen |
| Tajty | geschützt, viele Häfen dicht beieinander | Motorbootverkehr in der Saison, Untiefen an den Ufern |
| Boczne und Rydzewo | still, familiär, langsames Tempo | wenig Platz für Manöver in kleinen Häfen |
| Jagodne, Szymoneckie, Tałty | lang, schmal, landschaftlich | Wind entlang der Seeachse, Fahrgastschiffe |
| Tałty, Einfahrt nach Mikołajki | belebtes Finale | Gedränge im Hafen, Liegeplatz besser vorher sichern |
Der größte Vorteil: du kannst umkehren, und der Tag ist trotzdem gelungen
Das ist der Kern dieser Route. Auf großem Wasser ist die Entscheidung zum Auslaufen oft endgültig: Wenn du mitten auf dem Śniardwy bist und es legt los, hast du keinen Ausweg. Hier hast du einen. Du läufst aus, siehst die Welle wachsen, drehst um und liegst wieder am selben Platz oder im Nachbarhafen ein Stück weiter. Niemand ist enttäuscht, weil das Tagesziel ohnehin in Reichweite lag.
Deshalb empfehlen wir diese Seite Masurens Crews ohne Erfahrung und Familien mit kleinen Kindern. Wenn du überhaupt erst anfängst, schau auch in unsere Zusammenstellung: der erste Törn und die Route für Anfänger.
Zum Schluss zwei technische Dinge. Eine Charteryacht hat eine Ankerleine, keine Kette, plane die Nacht vor Anker also nur in einer geschützten Bucht und mit Ankerlicht. Müll und Fäkalien gibst du in den Häfen ab, denn das ist ein Schutzgebiet, und grillen darfst du ausschließlich an den dafür ausgewiesenen Plätzen. Die Kaution ist erstattungsfähig und wird vor Ort in bar abgerechnet, bei Übernahme und Rückgabe der Yacht. Pflichtgebühren, zum Beispiel die Endreinigung, zahlst du ebenfalls in der Basis, nicht online.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für diese Route? Die Runde über Tajty und Boczne zurück nach Giżycko sind bequeme vier bis fünf Tage. Eine volle Woche gibt Puffer für einen Hafentag bei schlechtem Wetter. Die Variante bis Mikołajki und zurück füllt die ganze Woche aus, ohne Reserve zum Faulenzen.
Kommt man auf dieser Route bis Mikołajki? Ja. Vom Boczne geht es auf den Jagodne, weiter über den Szymoneckie auf den Tałty und von dort direkt nach Mikołajki. Das ist eine normale Wasserstraße, auf diesem Abschnitt ohne Schleuse. Du musst nur mit Verkehr rechnen und damit, dass ein Liegeplatz in Mikołajki in der Hochsaison Gold wert ist.
Ist das eine gute Route für den ersten Törn? Aus unserer Sicht die beste rund um Giżycko. Die Distanzen sind kurz, es gibt viele Häfen, und offenes Wasser gerade so viel, dass man den See spürt, ohne Schreck zu bekommen. Auf einem führerscheinfreien Boot wie der Sun Camper 35 Flybridge oder der Nautiner 40 steigst du ohne Schein und ohne Vorerfahrung ein. Ein Skipper lässt sich als kostenpflichtige Option dazubuchen, wenn du am ersten Tag jemanden an Bord haben willst.
Was tun, wenn ich die Brückenöffnung verpasse? Nichts Dramatisches. Du wartest auf die nächste Öffnung, und da es in Giżycko genug Plätze zum Anlegen und zum Essen gibt, ist das keine verlorene Zeit. Die schlechtere Idee ist, auf den letzten Drücker zu hetzen und im Gedränge in den Kanal einzufahren, mit nervöser Crew an den Leinen. Besser den Plan um eine Öffnung verschieben und in Ruhe durchfahren.
Titelbild: Original uploader was IQcyco — CC BY 3.0, via Wikimedia Commons



