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Fünf Tage in Masuren: Giżycko, Sztynort, Węgorzewo und zurück
Routen & Törns7 Min. Lesezeit

Fünf Tage in Masuren: Giżycko, Sztynort, Węgorzewo und zurück

Fünf Tage sind zu viel für ein Wochenende und zu wenig für ganz Masuren. Am besten passt dann die Nordrunde: Giżycko, Sztynort, Mamry, Węgorzewo und zurück. Der Plan Tag für Tag, mit Reserve für den Wind.

Das NaCzarter-Team

· Aktualisiert

7 Min. Lesezeit

Fünf Tage in Masuren: Wie weit kommt man wirklich

Kurz und ohne Umschweife: Für fünf Tage funktioniert die Nordrunde am besten, von Giżycko über Sztynort auf den Mamry und nach Węgorzewo, danach auf demselben Weg zurück. Du musst nirgendwo hetzen, dich mit keiner Schleusenzeit abstimmen, und trotzdem kommst du mit dem Gefühl zurück, auf großem Wasser gewesen zu sein und nicht nur um den Hafen herumgekurvt. Fünf Tage sind ein gutes Format. Ein Wochenende ist zu kurz, um in Fahrt zu kommen, eine ganze Woche passt nicht bei jedem in den Urlaub. Donnerstag bis Montag oder ein langes Wochenende im Mai oder August passt genau hinein.

Ein Hinweis vorweg. Charterturnusse in Masuren laufen üblicherweise von Samstag zu Samstag. Außerhalb der Hochsaison bekommt man problemlos auch kürzere Termine, und dann geht dieser Plan auf. Im Juli und August frag früher nach der Verfügbarkeit, kurze Zeitfenster gibt es dann schlicht seltener.

Warum Norden und nicht Süden

Bei fünf Tagen zielen die meisten reflexhaft auf Mikołajki. Verstehe ich, bekannter Name, schöne Bilder. Nur beginnt der Weg nach Süden mit der Drehbrücke in Giżycko, danach kommen Kanäle, und in der Hochsaison ein Stau von Yachten an jeder Engstelle. Dazu will die komplette Route bis zum Nidzkie wirklich sieben Tage, damit daraus kein Rennen gegen die Uhr wird.

Im Norden ist das anders. Du läufst aus Giżycko auf den Kisajno aus und hast sofort Wasser, ohne auf irgendwelche Öffnungszeiten zu warten. Weiter geht es über den Dargin, die Kirsajty und dahinter den Mamry, den zweitgrößten See Polens, und das merkt man wirklich. Weniger Boote, weniger Manövriererei, mehr Segeln. Wenn du die Route selbst im Detail willst, haben wir sie separat im Text über den Nordkurs Giżycko, Sztynort, Węgorzewo beschrieben.

Der Plan Tag für Tag

Tag 1. Bootsübernahme und ein kurzer Sprung auf den Kisajno

Die Yacht übernimmst du im Port Royal in Giżycko am Kisajno. Die Übernahme ist keine Formalität in fünf Minuten: Rundgang über das Boot mit dem Hafenmeister, Ausrüstung, Motor, Gas, Bordtechnik, und dann die Kaution, die vor Ort in bar abgewickelt wird. Genauso werden die Pflichtgebühren bezahlt. Rechne damit, dass du an diesem Tag nicht weit kommst, und das ist gut so.

Der erste Schlag soll kurz sein. Du läufst auf den Kisajno aus oder ein Stück weiter auf den Dargin und machst für die Nacht in Basisnähe fest. Es geht darum, dass die Crew sich bei niedrigem Einsatz an das Boot gewöhnt. Das erste Anlegen ist immer das schlimmste, also erledigt man es besser bei Tageslicht, ruhigem Wasser und mit der Möglichkeit umzukehren, falls etwas nicht passt. Im Hafen machst du an Dalben oder an einer Mooringleine fest. Die Mooring fischst du mit dem Bootshaken vom Heck aus auf und gehst mit ihr über Deck nach vorn zum Bug, dort holst du dicht und belegst. Geankert wird im Hafen nicht.

Achtung bei den Inseln im Kisajno. Ein Teil davon sind Naturschutzgebiete, dort geht man nicht an Land zum Biwakieren. Das Wasser ringsum gehört dir, das Land nicht immer.

Tag 2. Über den Dargin nach Sztynort

Der erste volle Segeltag. Vom Kisajno geht es auf den Dargin und von dort seitlich ab in die Sztynorter Bucht. Der Hafen am Schloss hat eine Atmosphäre, die sich mit neuem Pflaster nicht nachbauen lässt: alte Bäume, die Ruine der Residenz über dem Hafen und dicht an dicht stehende Masten. Das ist ein Ort, an dem Leute länger bleiben als geplant.

Wer Zeit im Rücken hat und Lust auf eine Zugabe, fährt aus der Bucht durch den Kanal auf den Święcajty und kommt zur Nacht zurück. Ein schöner, ruhiger Abschnitt und ein guter Vorwand, einfach ziellos zu segeln.

In Sztynort läuft man besser früher als später ein. Im Juli sind die Plätze am Nachmittag weg, und dann suchst du dir eine Ecke, statt mit einem Kaffee im Cockpit zu sitzen. Im Hafen gilt Nachtruhe, und die Hafenmeister achten darauf, wer also einen Abend mit Gitarre plant, sollte ihn mit Maß planen. Wenn du die Ruhe lieber sofort hast, bleib in einer geschützten Bucht unterwegs über Nacht und schau morgens in Sztynort zum Brotholen vorbei.

Tag 3. Durch die Kirsajty auf den Mamry und nach Węgorzewo

Das größte Wasser dieser Route. Vom Dargin geht es durch die Enge der Kirsajty auf den Mamry. Der kann eine kurze, steile Welle aufbauen, die mehr zusetzt als hohe Seewellen, weil sie dicht hintereinander anläuft. Deshalb läuft man morgens aus, bevor der Wind aufdreht. Nachmittags hat man auf großem Revier meist doppelt so viel Arbeit für dieselbe Strecke.

Vom Mamry nach Węgorzewo führt ein Kanal, und das ist eine schöne Passage: plötzlich wird es eng, still und langsam. Węgorzewo ist ein normales Städtchen mit Einkaufsmöglichkeiten, Wasserbunkern und einem Hafen, in dem du Müll und Fäkalien abgibst. Das lässt man nicht aus. Masuren ist Schutzgebiet, und von der Yacht geht nichts in den See.

Tag 4. Zurück nach Süden, langsamer

Du fährst dasselbe Wasser zurück, aber in die andere Richtung sieht es anders aus: anderer Windwinkel, anderes Licht. Diesen Tag lasse ich locker. Kürzerer Schlag, Stopp in einer ruhigen Bucht, Baden, vielleicht die erste Nacht vor Anker, wenn die Crew Lust hat.

Vor Anker übernachtet man nur in einer geschützten Bucht, außerhalb des Fahrwassers. Der Anker liegt in Masuren an einer Leine, nicht an Kette, also steckst du mit Reserve, prüfst, ob er hält, und setzt für die Nacht das Ankerlicht. Gegrillt wird an Bord nicht. Dafür gibt es ausgewiesene Plätze am Ufer.

Tag 5. Morgens nach Giżycko und Rückgabe

Der letzte Tag ist ein kurzer Schlag plus Aufklaren. Du fährst über den Dargin zurück auf den Kisajno, direkt vor Giżycko. Diese Runde hat einen praktischen Vorteil: Die Basis liegt auf der Kisajno-Seite, und die Drehbrücke sitzt im Kanal zwischen Kisajno und Niegocin, im Norden musst du dich also gar nicht nach ihr richten. Das Einzige, worauf du achtest, ist die Rückgabezeit, denn nach dir übernimmt jemand dasselbe Boot.

Wenn du zum Schluss noch auf den Niegocin oder vom Kanal aus in die Stadt willst, ist das der Moment, in dem du in den Fahrplan schaust. Die Brücke öffnet zu festen Zeiten, prüfe sie vor dem Törnstart und komm mit Zeitpuffer an, nicht auf den letzten Drücker. Den aktuellen Fahrplan pflegen wir im Text über die Öffnungszeiten der Drehbrücke in Giżycko.

Die Route in Kürze

TagAbschnittWorauf achten
1Giżycko, Kisajno oder DarginBootsübernahme dauert, erstes Anlegen bei Tageslicht, Schutzgebietsinseln ohne Landgang
2Dargin und Sztynorter Bucht, optional durch den Kanal auf den ŚwięcajtyLiegeplätze sind nachmittags weg, früher einlaufen; Nachtruhe im Hafen
3Kirsajty, Mamry, WęgorzewoGroßes Wasser, kurze steile Welle, morgens auslaufen; im Hafen Müll und Fäkalien abgeben
4Rückweg nach Süden, Stopp in einer BuchtAnkern an Leine mit Reserve, geschützte Bucht außerhalb des Fahrwassers, Ankerlicht
5Nach Giżycko, RückgabeRückgabezeit; Drehbrücke nur, wenn du noch auf den Niegocin springst

Was diesen Plan durcheinanderbringen kann

Wind. Nur Wind. Der Rest fügt sich. Wenn es auf dem Mamry kräftig weht, hast du zwei Möglichkeiten: früh am Morgen durch oder gar nicht auslaufen und einen Tag länger dort bleiben, wo du bist. Das Zweite ist genauso gut wie das Erste. In Masuren hat noch niemand eine Medaille dafür bekommen, dass er mit Gewalt ausgelaufen ist.

Deshalb lasse ich bei fünf Tagen einen Tag Luft. Das ist ein normaler Teil des Plans, kein Puffer für den Katastrophenfall. Spielt das Wetter mit, verbringst du ihn in Sztynort oder in einer Bucht. Spielt es nicht mit, rettet er dir die pünktliche Rückkehr. Die Route funktioniert auch in der Kurzfassung: Fällt der dritte Tag aus, lässt du den Mamry weg, und es bleibt ein schöner Törn über Dargin, Kirsajty und die Gegend um Sztynort.

Wer nur drei Tage hat, sollte den Mamry nicht hineinzwängen. Dann passt eher die Wochenendroute über drei Tage, ohne Hetze und ohne stündlichen Blick auf die Prognose.

Häufige Fragen

Reichen fünf Tage für einen sinnvollen Törn? Ja, solange du nicht versuchst, ganz Masuren hineinzupacken. Die Nordrunde passt mit Reserve in fünf Tage und bringt echte Segeltage statt reiner Überführungen von Hafen zu Hafen.

Schafft man Węgorzewo und zurück? Locker. Węgorzewo liegt ungefähr in der Mitte dieses Plans, du hast also einen Tag für Übernahme und Warmwerden, dann zwei Tage hin und zwei zurück. Selbst wenn du wegen Wind einen Tag abwartest, kommst du pünktlich zurück. Segelstunden nenne ich nicht, das rechnet der Wind aus und nicht der Taschenrechner.

Und wenn es weht? Große Reviere querst du früh am Morgen oder du lässt es und bleibst im Hafen. Auf der Nordroute gibt es Rückzugsmöglichkeiten, denn der Dargin und die Gegend um Sztynort sind deutlich ruhiger als der offene Mamry.

Ist das eine gute Route für Anfänger? Für Anfänger mit Führerschein ja, es gibt wenige Engstellen und wenig Manövrieren im Gedränge. Ohne Schein nimm ein Hausboot, zum Beispiel Stillo 30 oder Stillo 31. Das fährt man führerscheinfrei, es hat einen flachen Boden und acht Plätze, denk nur daran, dass es keine Segel hat und bei Seitenwind im Hafen stark abgetrieben wird.

Welche Yacht für fünf Tage zu viert oder zu sechst? Antila 33 oder Maxus 33.1 RS. Drei Kabinen, auf dem Papier bis zu zehn Personen, zu sechst hast du also richtig viel Platz. Beide setzen einen Führerschein voraus.

Titelbild: Lesnydzban — CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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