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Die südlichen Masuren: Was diese Route ausmacht und warum es dort ruhiger ist
Die Südroute besteht aus zwei Armen: von Mikołajki über den Bełdany-See und die Schleuse Guzianka zum Nidzkie-See nach Ruciane-Nida, und über den Śniardwy-See nach Osten, durch den Jegliński-Kanal zum Roś-See und weiter nach Pisz. Weniger Häfen als im Norden, mehr Wald, längere Abschnitte ohne Zivilisation. Wer die klassische Runde schon gesegelt ist und mit dem Eindruck zurückkam, dass man in der Hochsaison überall am Steg ansteht, findet im Süden die Antwort.
Der Weg von Giżycko nach Süden
Unsere Basis ist Port Royal in Giżycko am Kisajno-See. Vom Kisajno geht es durch Giżycko hinaus, und die Drehbrücke hat feste Öffnungszeiten – der erste Tag richtet sich also nach der Brücke, nicht nach der eigenen Laune. Danach folgt der bekannte Weg: Niegocin, Kanäle, Tałty, Mikołajki. Der erste Tag ohne Hektik, mit Mittagspause, denn die Törns beginnen samstags und samstags kommt ohnehin niemand weit. Erst hinter Mikołajki fängt das an, wofür man hierher fährt. Das Wasser teilt sich und man muss wählen: in den Wald oder aufs große Wasser.
In den Wald, das ist der Bełdany. Eng, kurvig, Kiefern auf beiden Seiten, die Johannisburger Heide. Die Stille setzt schon ein paar hundert Meter hinter Mikołajki ein, weil sich der Verkehr auf einer langen Strecke verteilt und sich nicht an einem Punkt staut. Am Ende wartet die Schleuse Guzianka, dahinter der Nidzkie.
Bełdany, Guzianka, Nidzkie: der waldreichste Teil der Route
Der Nidzkie ist der Moment, in dem die meisten Crews einfach verstummen. Lang, schmal, er zieht sich tief in den Wald hinein und nichts an ihm drängt sich auf. Das Ufer besteht aus Kiefern, die bis ans Wasser reichen, hier und da Schilf, hier und da ein Steg. Ein großer Teil des Sees hat Naturschutzcharakter, und das ist keine Formalität, die man ignorieren sollte. Man geht nicht irgendwo an Land, macht nach Einbruch der Dunkelheit keinen Lärm, Müll nimmt man an Bord und gibt ihn im Hafen ab. Der Fäkalientank wird an der Station im Hafen geleert, nichts geht in den See. Details zum Revier und zu den Liegeplätzen haben wir im Revierführer zum Nidzkie-See beschrieben.
Ruciane-Nida ist die natürliche Basis auf diesem Arm. Hafen, Laden, Wasser, Strom, Müllentsorgung. Nach zwei Tagen im Wald reicht das vollkommen als Zivilisation.
Schleuse Guzianka: planen oder warten
Die Guzianka ist der einzige Zugang zum Nidzkie und damit ein Nadelöhr. Die Schleuse arbeitet zu festen Zeiten und lässt die Yachten in Gruppen durch – im Juli und August kann sich vor der Kammer eine Schlange bilden. Es gilt eine Regel: Zeiten am Vortag prüfen und den Tag so legen, dass man mit Reserve ankommt. Nicht umgekehrt. Aktuelle Zeiten und Gebühren führen wir separat im Text über die Schleuse Guzianka.
Der Vorgang selbst ist banal, wenn man vorbereitet ist. Segel vor der Annäherung bergen, Einfahrt unter Motor, Fender an beiden Seiten, zwei Leinen klar, eine Person am Bug, eine am Heck. Man fährt die Kammer an, die das Personal zuweist. Drinnen hält man das Boot an den Leinen, und niemand klettert auf die Mauer.
Śniardwy, Jegliński-Kanal, Roś und Pisz
Der zweite Arm hat einen völlig anderen Charakter. Der Śniardwy ist das größte Gewässer Polens, und es sieht genauso aus, wie es klingt: das Ufer weit weg, Weite ringsum, Untiefen und Findlinge außerhalb der betonnten Fahrrinne. Bei Wind baut sich hier eine kurze, steile Welle auf, die mehr zusetzt als lange Seewelle, weil die Yacht die Schläge in kurzen Abständen bekommt. Deshalb quert man den Śniardwy morgens, solange das Wasser noch ruhig ist, in Rettungswesten und entlang der Betonnung. Wenn es kräftig weht, quert man gar nicht und verschiebt auf den nächsten Tag. Ausführlicher steht das im Revierführer zum Śniardwy.
Hinter dem Śniardwy geht es in den Jegliński-Kanal, und das ist ein angenehmer Tempowechsel: eng, ruhig, Wald, ein paar Kilometer unter Motor. Der Kanal führt auf den Roś-See, der deutlich beschaulicher ist als der Śniardwy und viel weniger überlaufen als die Gegend um Mikołajki. Am Ende liegt Pisz, eine Stadt mit normaler Infrastruktur: Geschäfte, Apotheke, Hafen. Crews, die gern angeln, bleiben meistens genau hier länger. Liegeplätze und Ansteuerungen haben wir im Revierführer zum Roś-See zusammengetragen.
Die Abschnitte der Reihe nach
| Abschnitt | Was ihn ausmacht | Worauf zu achten ist |
|---|---|---|
| Mikołajki, Bełdany | Eng, kurvig, Wald auf beiden Seiten, schnell wird es still | Verkehr in der Enge bei Mikołajki, Begegnungen unter Motor |
| Schleuse Guzianka | Einziger Zugang zum Nidzkie, klassischer Punkt der Route | Betriebszeiten und Warteschlange in der Hochsaison, gehört in die Tagesplanung |
| Nidzkie-See | Der waldreichste Abschnitt, Stille, Kiefern direkt am Wasser | Naturschutzcharakter, eingeschränktes Anlanden, wenige Häfen |
| Śniardwy | Größtes Gewässer Polens, Weite und Blick ohne Ufer | Kurze steile Welle bei Wind, Untiefen und Findlinge außerhalb der Fahrrinne |
| Jegliński-Kanal | Ruhiger Übergang nach Osten, ganz anderes Flair als das große Wasser | Abschnitt unter Motor, Begegnungen mit größeren Einheiten |
| Roś und Pisz | Beschaulicher See, gut für Angler, Infrastruktur in der Stadt | Weiter von der Basis entfernt als es scheint, Rückweg mit Reserve planen |
Eine Woche im Süden: wie man das zusammensetzt
Ehrlich gesagt: In einen Törn passt ein Arm in Ruhe oder zwei im Hetztempo. Die erste Variante ist sinnvoller. Samstag ist Bootsübernahme und ein kurzer Schlag, Sonntag bringt dich in die Gegend von Mikołajki, Montag sind Bełdany und Schleuse, Dienstag und Mittwoch bleiben für den Nidzkie und Ruciane-Nida, Donnerstag und Freitag sind der Rückweg nach Norden. Am Samstag gibst du die Yacht erholt zurück und nicht auf dem Zahnfleisch.
Wenn du unbedingt beide Arme willst, verzichtest du auf Standtage. Dann querst du den Śniardwy einmal hin und einmal zurück, beide Male morgens, und planst von vornherein einen Tag ein, an dem es weht und du nirgendwo hinfährst. Ohne diesen Reservetag geht die Route nicht auf. Außerhalb der Hochsaison gibt es auch kürzere Termine als Samstag bis Samstag, und dann nimmt man besser einfach den Nidzkie.
Übernachtungen plane in Häfen oder in geschützten Buchten abseits der Fahrrinne. Im Hafen macht man an Dalben oder an der Muring fest: mit dem Bootshaken fängst du die Leine am Heck und gehst mit ihr nach vorn zum Bug. Beim wilden Ankern wirfst du den Anker, aber denk daran, dass Charteryachten eine Ankerleine haben – also gib genug Länge und lass nachts das Ankerlicht brennen. Gegrillt wird nicht an Deck, sondern an den dafür ausgewiesenen Stellen an Land.
Für wen der Süden ist
Für Crews nach der ersten Runde, die schon wissen, was sie mögen, und es langsamer machen wollen. Für Angler, weil Roś und Nidzkie die Ruhe bieten, die du bei Mikołajki nicht findest. Und für Leute, die morgens an Deck kommen und Wald sehen wollen, nicht den Nachbarn längsseits.
Wenn niemand in der Crew einen Führerschein hat, ist der Süden trotzdem machbar. Ein Hausboot vom Typ Stillo 30 oder Stillo 31 fährt führerscheinfrei und nimmt acht Personen mit – man muss nur bedenken, dass es ein schwimmendes Haus mit flachem Boden ist: Segel gibt es keine, bei Seitenwind versetzt es beim Manövrieren im Hafen, und auf den Śniardwy fährt man damit ausschließlich morgens bei ruhigem Wasser hinaus. Eine Crew mit Führerschein hat mehr Auswahl, denn Antila 33, Antila 33.3 und Maxus 33.1 RS nehmen jeweils zehn Personen in drei Kabinen auf.
Häufige Fragen
Sind die südlichen Masuren schwieriger als der Norden? Technisch nicht schwieriger, aber weniger nachsichtig bei der Planung. Es gibt weniger Häfen, die Abschnitte dazwischen sind länger, und zwei Punkte geben den Tagesrhythmus vor: die Schleuse mit ihren Zeiten und der Śniardwy mit dem Wetter. Wer den Tag mit Reserve plant, hat es ruhiger als im Norden.
Wie viel Zeit muss man in der Hochsaison für die Guzianka einrechnen? Eine einzelne Zahl nenne ich nicht, denn es hängt davon ab, wie viele Yachten vor dir liegen und in welche Gruppe du kommst. Im Juli und August rechne das Schleusen als eigenen Programmpunkt und nicht als fünf Minuten Pause. Die Zeiten prüfst du vor dem Ablegen, an der Kammer bist du vor Beginn der Gruppe.
Ist der Śniardwy gefährlich? Bei ruhigem Wetter ist es ein ganz normaler großer See. Zum Problem wird der Wind, denn das Wasser ist für seine Fläche flach und die Welle wird kurz und steil. Die Regeln sind einfach: morgens queren, in Rettungswesten, entlang der Betonnung, und bei starkem Wind bleibst du im Hafen. Außerhalb der Fahrrinne liegen Untiefen und Findlinge, Abkürzungen nach Augenmaß sind also eine schlechte Idee.
Schafft man den ganzen Süden in einer Woche? Man kommt zu beiden Armen, aber dann fährst du jeden Tag und verzichtest auf faule Standtage. Bei einem Wochentörn wählst du besser eines von beiden: entweder Bełdany, Guzianka und Nidzkie oder Śniardwy, Roś und Pisz. Für beide Arme mit Sinn und Verstand braucht es zwei Wochen, also zwei Törns hintereinander.
Titelbild: Marcin Byra — CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons



