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Der erste Törn ohne Stress. Eine sanfte Route durch Masuren für Einsteiger
Routen & Törns6 Min. Lesezeit

Der erste Törn ohne Stress. Eine sanfte Route durch Masuren für Einsteiger

Frisch erworbener Schein oder die erste Yacht in eigener Verantwortung? Eine Woche ab Giżycko über Kisajno, Niegocin und die Kanäle nach Mikołajki bringt kurze Etappen, geschützte Gewässer und alle ein bis zwei Stunden einen Hafen. Ohne Śniardwy, ohne Schleusenschlange und ohne Nachtfahrt.

Das NaCzarter-Team

· Aktualisiert

6 Min. Lesezeit

Der erste Törn ohne Stress: eine Route, die lehrt statt abschreckt

Wer den Schein frisch in der Tasche hat oder zum ersten Mal allein für eine Yacht verantwortlich ist, fährt am entspanntesten so: eine Woche ab Giżycko über den Kisajno, den Niegocin, die Kanäle auf den Tałty-See nach Mikołajki und auf demselben Weg zurück. Kurze Etappen, geschützte Gewässer, alle ein bis zwei Stunden ein Hafen. Der Śniardwy bleibt außen vor, in der Schleuse Guzianka stellt ihr euch in der Hochsaison nicht an, und im Dunkeln fahrt ihr gar nicht. Das ist keine Route für Ehrgeiz. Das ist die Route, nach der man im nächsten Jahr wiederkommen will.

Wir schicken seit fünfundzwanzig Jahren Crews aus dem Port Royal in Giżycko los, und eines wiederholt sich immer. Den ersten Törn ruiniert nicht das Wetter, sondern der Plan. Da soll Mikołajki am zweiten Tag drankommen, Ruciane am vierten, Węgorzewo am fünften, und am Ende starrt die ganze Crew auf die Uhr statt aufs Wasser. Ein guter erster Törn bringt zwei Dinge bei: Ruhe beim Anlegen und ein Gefühl für den Wind. Der Rest kommt von selbst, in der nächsten Saison.

Kisajno zum Warmwerden, zwei Tage ohne Druck

Am ersten Tag fahrt ihr nirgendwohin. Wirklich. Yachtübernahme, einkaufen, sich in den Kabinen einrichten, und wenn noch Zeit bleibt, eine kurze Runde auf den Kisajno und zurück. Eine Stunde, vielleicht zwei. Es geht darum zu spüren, wie das Boot auf Ruder und Motor reagiert, bevor ihr das an einer engen Stelle braucht.

Der Kisajno ist dafür wie gemacht. Geschützt, zerklüftete Ufer, unzählige Buchten, in denen der Wind einschläft, und die Basis liegt von jedem Punkt aus keine Stunde entfernt. Wenn etwas schiefgeht, kehrt ihr um oder ruft an, und jemand kommt. Dieser Komfort ist in den ersten Tagen mehr wert als die schönste Aussicht. Mehr zum Revier selbst steht im Revierführer zum Kisajno-See.

Am zweiten Tag übt ihr Ankern. Sucht euch eine windgeschützte Bucht abseits des Fahrwassers und werft den Anker mit ordentlich Reserve. Auf Charteryachten hängt der Anker an einer Leine, nicht an einer Kette, deshalb steckt man mehr aus, als die Intuition sagt. Nachts setzt ihr das Ankerlicht.

Dazu zwei Dinge, die neue Crews gern vergessen. Ein Teil der Inseln im Kisajno ist Naturschutzgebiet: nicht an Land gehen, nicht zelten. Müll und Fäkalien gebt ihr im Hafen ab, ins Wasser kommt nichts. Und Grillen: an Bord einer Charteryacht wird nicht gegrillt, dafür gibt es ausgewiesene Plätze an Land.

Niegocin und der Stopp in Giżycko

Am dritten Tag geht es durch den Kanal unter der Drehbrücke hindurch hinaus auf den Niegocin. Das ist das erste größere offene Wasser der Route und die erste Gelegenheit zu sehen, wie sich die Welle verändert, wenn nichts mehr Schutz gibt. Die Etappe ist kurz, zwei bis drei Stunden in ruhigem Tempo, selbst bei auffrischendem Wind passiert also nichts Dramatisches.

Die Drehbrücke hat feste Öffnungszeiten. Die schaut ihr morgens nach und plant das Ablegen so, dass ihr nicht mit einem Dutzend anderer Boote davor Kreise dreht. Eine gute Lektion für den ganzen Törn: Man richtet sich nach der Infrastruktur, nicht umgekehrt.

Angelegt wird in der Stadt vor Publikum, und darüber denkt man besser vorher nach als erst in der Hafeneinfahrt. Kommt früh an. Nach fünfzehn Uhr sind die Plätze weg, und ihr manövriert im letzten Rest Platz, vor Leuten mit Kaffee auf dem Steg. Am Vormittag ist der Hafen leer, ihr habt freie Wahl und niemanden, der zuschaut. Abends gilt im Hafen Nachtruhe: Abendessen an Deck ja, laute Musik nein.

Kanäle und Tałty nach Mikołajki

Der vierte Tag ist die schönste Etappe des Reviers und gleichzeitig eine der sichersten. Die Kanäle und der Tałty-See sind schmal und von Wald geschützt, der Wind bekommt kaum Angriffsfläche für Wellen. Gefahren wird unter Motor, ihr haltet euch rechts im Fahrwasser und weicht Gegenverkehr backbord an backbord aus. Langweilig, im besten Sinn des Wortes.

In Mikołajki legt ihr im Hafen an, an Dalben oder an einer Muringleine. Im Hafen wird nicht geankert, der Anker ist für die freien Plätze da. Die Muringleine fischt ihr am Heck mit dem Bootshaken auf und geht damit an der Bordwand entlang nach vorn zum Bug. Wer das einmal in Ruhe gemacht hat, macht es beim zweiten Mal ohne Nachdenken. Übt die Anläufe vorher an einem leeren Steg, und lest vor dem Törn noch einmal die Hafenmanöver unter Motor nach.

Den fünften Tag lasst ihr leer. Für das Wetter, fürs Ausschlafen, dafür, dass jemandem das Städtchen gefällt. Kommt Wind auf, bleibt ihr im Hafen und verliert nichts. Kommt keiner, dreht ihr eine kurze Runde über die Tałty. Dieser eine leere Tag ist der Unterschied zwischen einem Törn und einem Wettrennen.

Zurück auf demselben Weg

Tag sechs und sieben führen zurück, nur eben durch bekanntes Gebiet. Dieselben Kanäle, derselbe Niegocin, dieselbe Brücke. Die Crew, die sich drei Tage vorher vor jedem Anlauf verkrampft hat, macht es jetzt kommentarlos. In die Basis kommt ihr am Abend vor dem Rückgabetag zurück, nicht in der letzten Stunde. Die Kaution wird vor Ort in bar abgerechnet, genauso wie die bei Übernahme fälligen Gebühren, Hetze bringt also nichts.

Was wir beim ersten Mal bewusst weglassen

Den Śniardwy fahren wir nicht. Bei Wind baut er eine kurze, steile Welle auf, die übers Deck kommt und der Crew jede Freude austreibt. Das ist keine Lektion für die erste Woche. Die Schleuse Guzianka legen wir nicht in die Hochsaison, denn das bedeutet Warteschlange und enge Manöver vor versammeltem Hafen. Nachts fahren wir nicht. Tagsüber sieht man Dalben, Tonnen und die anderen, nachts sieht man nichts, und eine Untiefe hat kein Licht.

Vier Regeln, die den ersten Törn retten

Etappen von zwei bis drei Stunden, höchstens vier. Im Hafen seid ihr vor fünfzehn Uhr. Das erste Anlegemanöver übt ihr am leeren Steg, nicht am vollen. Und ein Tag im Plan bleibt frei. Vier Sätze, die mehr bringen als jeder Kurs.

TagEtappeWas ihr dabei übt
1Port Royal, kurze Runde auf den KisajnoAuslaufen und Rückkehr, Arbeit mit dem Motor
2Buchten des KisajnoAnkern an der Leine, Nacht in geschützter Bucht
3Kisajno, Drehbrücke, Niegocin und GiżyckoOffenes Wasser, Brückenzeiten, Anlegen in der Stadt
4Kanäle, Tałty, MikołajkiEnge Passagen, Begegnungen, Muring und Dalben
5Reservetag in MikołajkiWetterbericht lesen und entscheiden, ob überhaupt raus
6Mikołajki, Tałty, NiegocinDieselbe Strecke, diesmal ohne Karte auf dem Schoß
7Niegocin, Kisajno, zurück zur BasisAnlauf auf den eigenen Liegeplatz ohne Hektik

Beim ersten Mal hat noch niemand schön angelegt

Und noch etwas, das Wichtigste. All die Leute, die auf dem Steg stehen und zusehen, wie ihr anlauft, sind früher auch quer in die Box gerutscht, mit dem Fender an der falschen Seite und Geschrei am Bug. Ausnahmslos alle. Der einzige Unterschied ist, wie oft sie es seitdem wiederholt haben. Wenn der erste Anlauf nicht klappt, dreht ihr ab und macht einen zweiten. Niemand zählt mit, und wer mitzählt, war lange nicht mehr auf dem Wasser.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für den ersten Törn? Eine Woche. Die Chartertermine in Masuren laufen üblicherweise von Samstag zu Samstag, und genau das ist für Einsteiger ideal. Kürzere Zeiträume gibt es außerhalb der Hochsaison durchaus, aber bei fünf Tagen beginnt die Hetzerei, und genau die wollt ihr vermeiden.

Braucht man für den ersten Törn einen Schein? Für eine Segelyacht ja, etwa für eine Antila 33 oder eine Maxus 33.1 RS. Hat niemand in der Crew einen Schein, bleibt das Hausboot, zum Beispiel eine Stillo 30 oder Stillo 31, die man führerscheinfrei fahren darf. Das ist ein schwimmendes Haus mit flachem Boden, ohne Segel, dafür bei Hafenmanövern sehr empfindlich für Seitenwind. Den ganzen Ablauf haben wir im Ratgeber zum ersten Yachtcharter beschrieben.

Und wenn ich nicht anlegen kann? Das kann niemand, bevor er es getan hat. Macht die ersten Anläufe am leeren Steg, früh am Nachmittag, bei schwachem Wind. Verteilt die Rollen vor dem Manöver: wer steht am Ruder, wer gibt die Leine, wer fischt die Muringleine am Heck mit dem Bootshaken auf. Ruhe an Bord hilft mehr als Kraft.

Lohnt sich ein Skipper beim ersten Mal? Eine gute Idee, wenn der Schein frisch ist oder Kinder mit an Bord sind. Der Skipper ist eine Zusatzleistung, die separat bezahlt wird; er bringt in den ersten Tagen Routine hinein, zeigt die Manöver und nimmt euch die Wetterentscheidungen ab. Details haben wir im Text über Yachtcharter mit Skipper in Masuren gesammelt.

Titelbild: NaCzarter.pl (eigene Flotte)

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