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Luv und Lee: Woher weht der Wind?
Luv ist die dem Wind zugewandte Seite, Lee die gegenüberliegende. Diese Bezeichnungen hängen von der aktuellen Windrichtung und dem Bezugspunkt ab. Sie sind keine festen Namen für Steuerbord und Backbord. An Bord helfen sie beim Verstehen von Kommandos, auf dem Wasser beschreiben sie die Lage eines Bootes zu einem anderen.
Wenn der Skipper sagt „setz dich nach Luv“, meint er nicht immer denselben Platz im Cockpit. Zuerst musst du feststellen, woher die Luft kommt. Nach einer Kursänderung kann die zuvor gezeigte Bordseite anders zum Wind liegen. Dieser wechselnde Bezugspunkt verwirrt Menschen beim ersten Törn besonders leicht.
Erst die Bordseiten, dann der Wind
Steuerbord und Backbord bestimmt man mit Blick zum Bug: Steuerbord ist rechts, Backbord links. Die Bezeichnungen bleiben gleich, egal wo du stehst. Drehst du dich zum Heck, liegt Steuerbord an deiner linken Hand, heißt aber weiterhin Steuerbord. Deshalb reicht an Bord „dort rechts von mir“ oft nicht aus.
Luv und Lee beziehen sich dagegen auf den Wind. Das Glossar der Royal Yachting Association beschreibt „windward“ als die windzugewandte und „leeward“ als die windabgewandte Seite. Möchtest du zuerst die festen Teile des Bootes zuordnen, beginne mit dem Ratgeber zu Bug, Heck, Bordseiten und Cockpit.
| Begriff | Bezugspunkt | Was kann die Antwort verändern? |
|---|---|---|
| Steuerbord oder Backbord | Blick vom Heck zum Bug | Eine Drehung der Person verändert die Bezeichnung nicht |
| Luv- oder Leeseite | Luftströmung relativ zur Yacht | Eine Änderung des Kurses oder der Windrichtung |
| Ein Boot in Luv eines anderen | Die Lage beider Boote zum Wind | Bewegungen der Boote oder eine Windänderung |
| Norden, Süden, Osten, Westen | Himmelsrichtungen | Sie ändern sich nicht, wenn sich die Yacht dreht |
Zwei Beispiele zum Einprägen
Wind von der rechten Bootsseite
Stell dir ein stillliegendes Boot mit dem Bug nach Norden vor. Der Wind kommt genau aus Osten und trifft die Steuerbordseite. Steuerbord liegt damit in Luv, Backbord in Lee. Bei dieser Richtungsübung lassen wir die Bewegung des Bootes und örtliche Böenänderungen zunächst außen vor.
Drehe nun in Gedanken nur die Yacht: Der Bug zeigt nach Süden, der Wind kommt weiterhin aus Osten. Er trifft jetzt Backbord; diese Seite liegt also in Luv. Die geografische Windrichtung ist gleich geblieben. Verändert hat sich die Ausrichtung des Bootes und damit die Zuordnung seiner Seiten zum Wind.
Zwei Boote nebeneinander
Im zweiten Beispiel liegen zwei Boote auf einer Ost-West-Linie nebeneinander. Bei Ostwind befindet sich das östliche Boot in Luv des westlichen. Vom östlichen Boot aus liegt das andere in Lee. Diese Verwendung erläutert auch NOAA in der Erklärung zu „windward“ und „leeward“.
Beide Buge müssen nicht in dieselbe Richtung zeigen, damit du ihre Positionen auf einer Karte vergleichen kannst. Du musst aber sagen, worauf sich die Angabe bezieht. „Das Boot ist luvseitig“ kann ohne Bezug zum anderen Boot unvollständig sein. Präziser ist: „Dieses Boot liegt in Luv von uns.“
Wahrer und scheinbarer Wind
Während der Fahrt wird es interessanter. Die Luftströmung, die du an Bord spürst, hängt sowohl vom Wind als auch von der Bewegung der Yacht ab. Das ist der scheinbare Wind. Raymarine erklärt im Segelglossar, dass Fahrtrichtung und Geschwindigkeit des Bootes darin eingehen. Der Windsensor misst diese Strömung; für die Berechnung des wahren Windes sind weitere Daten nötig.
Auf dem Fahrrad lässt sich das leicht vorstellen: Selbst bei stiller Luft spürst du während der Fahrt einen Luftzug von vorn. Auch auf der Yacht beeinflusst die eigene Bewegung Richtung und Stärke der fühlbaren Strömung. Die Vorhersage „Westwind“ sagt deshalb noch nicht, von welcher Bordseite du ihn in jedem Moment des Törns wahrnimmst.
Beim Bestimmen der Seiten an Bord beobachtest du die Luftströmung relativ zum Boot. Beim Beschreiben von Inseln oder zwei Yachten hilft die Windrichtung im Raum. Vermischst du diese Aufgaben, entstehen scheinbare Widersprüche. Die Kurse zum Wind sind der nächste Schritt, sobald dieser Unterschied klar ist.
Wie übst du, ohne Kommandos zu erraten?
Bitte den Skipper auf einem ruhigen Streckenabschnitt, die Luvseite zu zeigen. Benenne sie zuerst als Steuerbord oder Backbord und ergänze erst dann die Lage zum Wind. Wiederhole die Übung nach einer geplanten Kursänderung. Achte darauf, was sich an der Bootsausrichtung und was sich am Wind verändert hat.
Eine gute Frage lautet: „Liegt Steuerbord jetzt in Luv?“ Das ist klarer als „soll ich hierhin gehen?“, besonders wenn der Skipper nach vorn schaut. Laufe während eines Manövers nicht nur deshalb über Deck, um eine Definition zu überprüfen. Stimme deinen Platz mit der verantwortlichen Person ab und warte mit dem Gespräch, bis sie Zeit dafür hat.
Du kannst auch ein Boot und einen Pfeil für die Strömungsrichtung auf Papier zeichnen. Markiere den Pfeilanfang als die Richtung, aus der der Wind kommt. Drehe die Bootszeichnung, während der Pfeil unverändert bleibt. Lass danach das Boot stehen und verändere den Pfeil. Beide Übungen zeigen, warum dieselbe Bordseite nicht immer in Luv liegt.
Wo entstehen leicht Missverständnisse?
Bestimme die Windseite nicht allein anhand der Sonne, des sichtbaren Ufers oder der Sitzplätze der Crew. Keiner dieser Punkte legt für sich fest, woher die Luft strömt. Auch „hinter der Insel“ braucht eine Ergänzung: dahinter aus Sicht der Route, des Betrachters oder des Windes?
Kommt der Wind genau von vorn oder achtern, reicht das einfache Beispiel „Wind von einer Bordseite“ nicht mehr. Leite dann Begegnungsregeln nicht allein aus der Stellung des Baums oder deinem Gefühl ab. Die Begriffe in den Vorschriften benötigen eine eigene Erklärung. Hier geht es darum, Positionen zu beschreiben, nicht darum, wer ausweichen muss.
Häufige Fragen
Ist Luv immer rechts? Nein. Luv kann je nach Ausrichtung zum Wind auf Steuerbord oder Backbord liegen. Steuerbord bleibt unabhängig davon Steuerbord.
Wechselt Luv bei jeder Kurve die Seite? Nein. Bei einer kleinen Kursänderung kann der Wind weiterhin von derselben Seite kommen. Entscheidend ist, von wo die Luft nun einströmt.
Bedeutet Lee, dass dort kein Wind weht? Nein. Das Wort beschreibt eine Richtung oder Lage. Es verspricht an einem bestimmten Ort weder Windstille noch Schutz oder ruhiges Wasser.
Reicht die Kenntnis der Luvseite, um die Vorfahrt zu beurteilen? Nein. Das lässt sich nicht aus einem einzigen Begriff ableiten. Die verantwortliche Person muss die gesamte Situation und die geltenden Regeln des Gewässers beurteilen.
Übe die Begriffe auf deinem ersten Törn
Plane bei der Auswahl einer Yacht für Masuren Zeit für eine kurze Besprechung von Deck und Kommandos mit dem Skipper ein. Beide Wörter helfen schon am ersten Tag. Du musst aber nicht so tun, als hättest du jedes Kommando verstanden. Wiederhole es mit eigenen Worten, damit sich ein Missverständnis sofort klären lässt.
Beispielfoto aus dem Katalog von NaCzarter.pl.



