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Abend im masurischen Hafen: Shantys, Grillen und Gespräche auf dem Steg
Events & Attraktionen5 Min. Lesezeit

Abend im masurischen Hafen: Shantys, Grillen und Gespräche auf dem Steg

Ein Törn besteht zur Hälfte aus Segeln und zur Hälfte aus Abenden. Darüber, was nach dem Anlegen passiert: woher die Shantys kommen, warum an Bord nicht gegrillt wird und warum die beste Wetter-App des Reviers der Nachbar vom Steg ist.

Das NaCzarter-Team

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Die zweite Hälfte des Segelns

Was passiert in einem masurischen Hafen, wenn die Leinen fest sind? Dann beginnt die zweite Hälfte des Törns: Grillen am ausgewiesenen Platz, Shantys zur Gitarre, Gespräche auf dem Steg und eine Taverne zwanzig Meter vom Kai entfernt. Nach 25 Jahren in diesem Geschäft sage ich meinen Kunden ganz offen: Ein Törn besteht zur Hälfte aus Segeln und zur Hälfte aus Abenden. Und oft bleiben gerade die Abende länger im Gedächtnis als die Kreuzschläge.

Es gibt diesen Moment, den jeder kennt, der schon einmal gesegelt ist. Die letzte Leine landet auf der Klampe, und die ganze Anspannung des Tages fällt von den Schultern ab. Der Motor verstummt, es wird still, jemand vom Nachbarboot nickt herüber. Ab diesem Augenblick fährt niemand mehr irgendwohin. Die Karte wandert unter den Tisch, und an Deck geht man nur noch in Badelatschen.

Woher die Shantys kommen und warum man sie auf den Seen singt

Shantys sind keine Touristenlieder. Es sind Arbeitslieder aus der Zeit der großen Segelschiffe. Ein gutes Dutzend Männer zog an einer Leine oder drückte das Spill, und sie brauchten einen gemeinsamen Rhythmus. Der Shantyman sang die Strophe, die Mannschaft antwortete mit dem Refrain, und auf den Refrain kam der Ruck. So klang die Arbeit auf See, bevor Maschinen diesen Job übernahmen.

In Masuren zieht heute niemand mehr zu zwanzigst an einer Leine, aber die Shantys sind geblieben. Denn sie haben eine Eigenschaft, die keine Playlist hat: Sie verbinden Generationen. Großvater und Enkel kennen dieselben Refrains und singen sie am selben Steg. Es läuft immer gleich ab. Jemand drei Boote weiter holt eine Gitarre heraus, und nach einer Viertelstunde singt der halbe Steg. Niemand hat jemanden eingeladen, niemand hat geprobt. Es hat einfach funktioniert.

Tavernen direkt am Kai

Die größeren Häfen haben Kneipen unmittelbar am Ufer. In Mikołajki sieht man die Tische schon aus dem Cockpit, in Giżycko ist die Taverne manchmal näher als die Sanitäranlagen, und in Sztynort spielt sich das Abendleben praktisch auf dem Kai ab. Ich stelle hier kein Ranking auf, denn jeder hat seine Lieblingstaverne und verteidigt sie wie einen guten Ankerplatz. Die Regel ist einfach: Du steigst vom Boot, setzt dich an den Tisch, bestellst Fisch und hörst zu, wie nebenan jemand von der heutigen Bö erzählt. Beim dritten Mal hat die Geschichte schon doppelt so viel Wind. Und das ist gut so.

Grillen: nur an ausgewiesenen Plätzen

Hier werde ich langweilig, weil ich es sein muss. An Bord eines Charterboots wird nicht gegrillt. Niemals. Laminat schmilzt und brennt, unter Deck steht eine Gasflasche, und daneben liegen andere Yachten, Bordwand an Bordwand. Offenes Feuer in dieser Kombination ist kein Risiko, das ist eine Einladung fürs Unglück. Deshalb gibt es in den Häfen ausgewiesene Plätze: Grillstellen am Ufer, weit weg von den Booten. Dort ist der Grill absolut am richtigen Ort.

Und ehrlich gesagt: Am Ufer ist es einfach besser. Der Grillduft, der über den Steg zieht, ist die wirksamste Einladung in ganz Masuren. Funktioniert besser als jedes Telefon. Nach zwanzig Minuten stehen drei Crews am Rost, jede hat etwas mitgebracht, und niemand weiß mehr, wem der Schweinenacken gehörte. Was man einpacken sollte, um etwas zum Anbieten zu haben, habe ich im Text über den Proviant an Bord beschrieben.

Der Steg — die beste Wetter-App des Reviers

Abends verwandelt sich der Steg in eine Informationsbörse. Wer von Węgorzewo kam, erzählt, wie es auf dem Mamry geweht hat. Wer vom Śniardwy zurückkommt, warnt vor der Untiefe, auf der er eine Stunde festsaß. Ein anderer empfiehlt eine Fischbraterei, in der man ehrlich bekocht wird. Die beste Wetter-App des Reviers ist der Nachbar vom Steg: Er hat Daten vom ganzen Tag und teilt sie gern.

Kinder erledigen das noch schneller. Eine Stunde nach dem Anlegen sind die Kleinen von drei Nachbarbooten schon eine Bande, rennen über den Steg und haben ihre eigenen, sehr wichtigen Angelegenheiten. Erwachsene brauchen für dasselbe etwas länger und meistens einen Grill. Und am Morgen gibt es die Belohnung: ein „Guten Morgen“ von der Crew, mit der man gestern bis zur Nachtruhe geredet hat. Auf dem Revier trefft ihr euch noch zweimal, und jedes Mal ist es eine Begrüßung unter alten Bekannten.

Nachtruhe und die Kultur des Stegs

Gegen 22 Uhr, spätestens 23 Uhr, werden Musik und Lärm leiser. So ist es in jedem masurischen Hafen, und das ist keine Vorschrift aus der Hafenordnung, sondern die Kultur des Stegs. Die Schlafenden nebenan sind auch im Urlaub, und zwischen den Bordwänden liegt manchmal nur ein halber Meter. Eine gute Crew spürt diesen Moment von selbst: Die Gitarre wandert in die Hülle, das Gespräch geht in Halblaut über, und wer länger sitzen will, sitzt leiser. Die besten Gespräche fangen sowieso genau dann an — bei gelöschtem Licht, wenn nur noch die Fallen gegen die Masten schlagen.

Der Abend im Hafen auf einen Blick

Teil des AbendsWie es in der Praxis aussieht
TaverneIn den größeren Häfen direkt am Kai. Du steigst in Badelatschen vom Boot und setzt dich an den Tisch.
GrillenNur an ausgewiesenen Plätzen am Ufer. An Bord eines Charterboots niemals.
ShantysEine Gitarre reicht. Den Refrain kennt der halbe Steg, der Rest kann ihn nach einer Viertelstunde.
StegWissensbörse: wo es gepfiffen hat, wo die Untiefe liegt, wo man gut isst. Der Nachbar weiß alles.
NachtruheGegen 22-23 Uhr wird die Musik leise. Wer länger sitzt, sitzt still.

Häufige Fragen

Darf man auf einer Charteryacht grillen? Nein. Feuer, Laminat und Gasflasche sind eine Kombination, die man nicht zusammenbringt. Gegrillt wird nur an ausgewiesenen Plätzen in den Häfen und auf Biwakplätzen.

Bis wann darf im Hafen Musik laufen? Üblicherweise bis zur Nachtruhe, also ungefähr bis 22-23 Uhr. Danach Gespräche in Halblaut. Die Schlafenden nebenan sind auch im Urlaub.

Muss man Shantys kennen, um beim gemeinsamen Singen mitzumachen? Nein. Shantys sind so gebaut, dass der Refrain von selbst kommt. Nach zwei Strophen singst du wie der Rest des Stegs.

Wo ist abends am meisten los? In den größeren Häfen: Mikołajki, Giżycko, Sztynort. Dort stehen die Tavernen direkt am Kai, und das Abendleben spielt sich am Ufer ab.

Zum Schluss ein Rat aus 25 Jahren Yachtübergaben: Die besten Abende lassen sich nicht planen. Man braucht keine Reservierung und keine Playlist. Es reicht, anzulegen, auf den Steg zu gehen und „Guten Abend“ zu sagen. Den Rest erledigt der Hafen.

Titelbild: NaCzarter.pl

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