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Święcajty und Kirsajty: die stillen Seen der Nordroute
Häfen & Marinas5 Min. Lesezeit

Święcajty und Kirsajty: die stillen Seen der Nordroute

An Kirsajty und Święcajty fährt man auf dem Weg nach Węgorzewo vorbei, anhalten tut fast niemand. Dabei sind es die stillsten Gewässer der Nordroute: flach, schilfig, voller Vögel und ohne Gedränge. Wo du hier ankerst, wie du nicht auf Grund läufst und für wen sich der Abstecher lohnt.

Das NaCzarter-Team

· Aktualisiert

5 Min. Lesezeit

Święcajty und Kirsajty: zwei Seen, an denen die meisten einfach vorbeifahren

Der Umweg lohnt sich, denn das sind die stillsten Gewässer der ganzen Nordroute, ohne dass du dafür die Karte verlassen musst. Kirsajty und Święcajty liegen genau auf dem Weg von Giżycko nach Węgorzewo. Fast jeder fährt vorbei. Fast niemand hält an, weil im Kopf schon der Zielhafen und das Bier in der Kneipe stehen. Dabei sind es genau diese beiden Seen, auf denen du das bekommst, wofür die Leute überhaupt nach Masuren fahren: Platz, auf dem dich niemand anhupt.

Kirsajty: ein Verbindungsstück, das keins sein will

Auf der Karte sehen die Kirsajty aus wie eine Engstelle zwischen Dargin und Mamry. Etwas zum Durchfahren. In der Praxis ist es ein völlig anderes Revier als seine Nachbarn: flacher, schmaler, von Schilf gesäumt, mit Ufern, an denen wenig passiert.

Der Wind kommt hier anders an. Auf dem Dargin bekommst du ihn mit vollem Schwung, auf den Kirsajty ist er gebrochen, zerrissen, in Böen aus seltsamen Richtungen. Für die Segel ist das manchmal lästig. Für die Nerven eher das Gegenteil, weil sich die Welle nirgends aufschaukeln kann. Wenn jemand in der Crew in Masuren die ersten Stunden am Ruder verbringt, ist das hier ein besserer Übungsplatz als offenes Wasser.

Vögel gibt es reichlich, und man hört sie vom Wasser aus. Das ist kein Reiseprospekt, sondern Physik: wo Schilf ist, sind Vögel, und wo weniger Motoren laufen, hörst du sie auch.

Der Morgen, für den man wiederkommt

Das Beste auf den Kirsajty passiert zwischen fünf und sieben Uhr früh. Du kommst ins Cockpit, noch im Pullover, den Becher in der Hand. Das Wasser liegt glatt wie ein Blech, ohne eine einzige Kräuselung, und spiegelt das ganze Ufer kopfüber. Keine Motoren, keine Musik, niemand. Zu hören sind nur Vögel: etwas fliegt aus dem Schilf auf, etwas zieht über den Mast. Nach zwei Stunden kommt der Wind, auf dem Fahrwasser setzt der Verkehr ein, und es wird ein ganz normaler masurischer Tag. Aber dieser Morgen bleibt länger im Kopf als die meisten Hafenpartys.

Święcajty: versteckt bei Sztynort

Święcajty hat einen Vorteil, den man nicht kaufen kann: Der See liegt östlich der Hauptroute, abseits. Der Durchgangsverkehr zieht daneben vorbei Richtung Węgorzewo, und du sitzt ein paar Minuten davon entfernt und hast deine Ruhe.

Von hier ist es nicht weit nach Sztynort, der Tagesplan ergibt sich also von selbst: morgens Einkauf und Wasser im Hafen, danach raus auf die Święcajty für Nachmittag und Abend. Oder umgekehrt, wenn es so weht, dass es auf dem Mamry ungemütlich wird: Dann kommst du hierher zum Abwettern, statt dich über offenes Wasser zu prügeln.

Das ist ein guter Ankerplatz in einer geschützten Bucht, außerhalb des Fahrwassers. Denk daran, dass du auf einer Charteryacht eine Ankerleine hast und keine Kette, also steckst du sie mit Reserve und prüfst, ob der Anker tatsächlich hält und nicht nur auf dem Grund liegt. Nachts Ankerlicht, ohne Diskussion.

Welcher See für wen

SeeCharakterFür wen
KirsajtyFlach, schmal, Schilf und Vögel. Gebrochener Wind, die Welle hat keinen PlatzCrews mit Kindern, Anfänger am Ruder, Frühaufsteher mit Kamera
ŚwięcajtyAbseits der Route, still, nah an der Infrastruktur in SztynortAlle, die vor Anker liegen oder Wind abwettern wollen
DarginOffen, windig, TransitverkehrWer einen ordentlichen Schlag und schnelle Fahrt nach Norden will
MamryGroßes Wasser, bei starkem Wind kurze steile WelleErfahrene Crews, am besten mit frühem Start

Praxis: hier ist es wirklich flach

Die größte Falle dieser Gegend ist die Illusion von Weite. Das Wasser wirkt breit, doch Untiefen und Schilfgürtel reichen näher heran, als das Auge vermuten lässt. Halte dich an das betonnte Fahrwasser und kürze nicht „schräg über" ab, denn genau so landet man mit dummem Gesicht auf einer Untiefe mit weichem Grund.

Was das für die konkrete Yacht bedeutet: Die Antila 33 hat dank Schwert einen Tiefgang von 0,5 bis 1,8 m, im Zweifel geht das Schwert hoch und du kommst aus eigener Kraft wieder frei. Die Maxus 33.1 RS hat eine Flosse und kein Schwert, Tiefgang 0,5 bis 1,7 m, aber die Flosse lässt sich nicht hochziehen, hier ist Aufmerksamkeit also wichtiger. Das Hausboot Stillo 30 mit 0,6 bis 0,7 m Tiefgang und flachem Boden hat die größte Reserve, kreuzt dafür nicht und versetzt bei Seitenwind im Manöver ordentlich.

Übernachten, Müll, Stille

Übernachten vor Anker nur in geschützter Bucht und nur außerhalb des Fahrwassers. Müll und Fäkalien gibst du im Hafen ab, nichts landet im See. Das ist keine Öko-Predigt, sondern Schutzgebiet und eine Regel, auf die hier geachtet wird. Ein Teil der Inseln in der Region sind Reservate, die man schlicht nicht betritt, ein Biwak am Ufer fällt also aus.

Einen Grill zündest du an Bord einer Charteryacht nicht an. Gegrillt wird nur an ausgewiesenen Stellen, im Hafen oder am Steg.

Und eine Sache, um die ich selbst bitten würde: Lass die Box aus. Der ganze Wert von Święcajty und Kirsajty besteht darin, was hier nicht ist. Wenn jemand Disco über die ganze Bucht schickt, nimmt er diese Ruhe sich selbst und allen ringsum.

Infrastruktur in Reichweite

Die nächste vernünftige Infrastruktur sind Sztynort und Węgorzewo. Wasser, Strom, Fäkalienentsorgung, Laden, Tanken. Plane den Tag so, dass du abends in einem der beiden liegst oder bewusst vor Anker bleibst, mit vollem Wassertank und leerem Fäkalientank. Eine dritte Option gibt es nicht.

Von Giżycko ist das entspannt ein Segeltag, mit Zeitpuffer für die Drehbrücke. Die Brücke hat ihre Öffnungszeiten, und du richtest dich nach ihr, nicht sie nach dir. Die Chartertörns starten hier üblicherweise am Samstag, diese beiden Seen setzt du also am besten auf den zweiten oder dritten Tag, wenn sich die Crew eingespielt hat und noch niemand irgendwohin hetzt.

Häufige Fragen

Lohnt sich der Umweg auf die Święcajty und Kirsajty wirklich? Wenn du Attraktionen, Kneipen und Geselligkeit suchst: nein, fahr nach Mikołajki. Wenn du nach drei Tagen im Trubel einen stillen Abend und einen stillen Morgen willst: ja, und das ist der beste Moment, diese beiden Reviere zu nutzen.

Wo legt man in der Gegend an? Für die Nacht realistisch in Sztynort oder Węgorzewo, dort gibt es Häfen mit voller Ausstattung. In den Häfen liegst du an Dalben oder an einer Muring: Die Muring fischst du mit dem Bootshaken am Heck auf und führst sie längs der Bordwand nach vorn zum Bug. Der Anker bleibt im Hafen unten. Auf den Święcajty und Kirsajty selbst heißt Liegen: Anker in geschützter Bucht, außerhalb des Fahrwassers.

Ist es dort flach? Stellenweise ja, vor allem an den Schilfzonen und an den Ufern der Kirsajty. Im Fahrwasser gibt es kein Problem, außerhalb musst du auf das Echolot schauen und darfst nicht darauf vertrauen, dass „das Wasser tief aussieht". Yachten mit Schwert haben es hier bequemer als solche mit Flosse.

Ist das ein guter Ort für Anfänger? Sehr gut sogar. Kleine Welle, kurze Etappen, kein Gedränge und kein Verkehr wie auf den Tałty im August. Ideal für die ersten eigenen Manöver und das erste Ankern. Eine Bedingung: Du liest die Karte und hältst dich an die Betonnung, denn auf eine Untiefe fährt man hier leichter als irgendwo sonst im Norden.

Titelbild: Janericloebe — Public domain, via Wikimedia Commons

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