Die Großen Masurischen Seen verbergen Dutzende Inseln — große und kleine, bewaldete, wilde und von Legenden umwobene. Für den Segler sind sie Orientierungspunkte und Kulisse der schönsten Fotos, für die Einheimischen waren sie über Jahrhunderte heilige, verfluchte oder einfach geheimnisvolle Orte. Bei NaCzarter segeln wir seit einem Vierteljahrhundert zwischen ihnen — und erzählen Ihnen gern die Geschichten, die sich mit ihnen verbinden. Denken Sie nur daran, dass viele dieser Inseln heute Naturschutzgebiete sind, die man nicht betreten darf; wir bewundern sie vom Wasser aus.
Czarci Ostrów — die Teufelsinsel im Spirdingsee
Die berühmteste masurische Insel liegt rund anderthalb Kilometer vor dem Westufer des Spirdingsees. Der Legende nach war Czarci Ostrów (Teufelsinsel) ein Ort nächtlicher Hexensabbate — ein Zufluchtsort für Teufel und böse Mächte, den die Anwohner mieden, weil sie die Insel für verflucht hielten. Überlieferungen erzählen auch von einem dort vergrabenen Teufelsschatz. Die farbigste Geschichte handelt von einem Fischer, der ihn an sich reißen wollte: Kaum hatte er die Truhen voller Juwelen erreicht, griff ihn ein riesiger Bär an, und als er schwimmend zu fliehen versuchte, zog ihn eine schwarze Klaue in die Tiefe. Die wirkliche Geschichte ist weniger fantastisch — im 18. Jahrhundert nutzten die Preußen die Insel als Vorratslager, und noch früher verehrten hier die heidnischen Galinder ihre Götter. Heute lockt sie Segler gerade wegen dieses dunklen Rufs.
Gilma — eine heidnische Festung und eine Frau mit Gold
Im Dobener See (Jezioro Dobskie) bei Giżycko liegt Gilma, eine der geheimnisvollsten Inseln der Region. Sie birgt Spuren einer galindischen Wallburg und eines heiligen Hains — einer der letzten Stätten heidnischen Kults in diesem Land — und der Sage nach soll hier der letzte Anführer der Galinder seinen Sitz gehabt haben. Im 14. Jahrhundert errichteten die Deutschordensritter auf den Ruinen eine Burg, und im 19. Jahrhundert wurde auf den Überresten eine Kapelle gebaut, die — so die Erzählung — die Anwohner aus Furcht vor Gerüchten über dort abgehaltene dunkle Riten niedergerissen haben sollen. Gilma ist von Legenden über eine ungewöhnliche Energie und über die Erscheinung einer Frau umwoben, die bei Vollmond mit einem Sack Gold auftaucht. Die ganze Insel ist heute ein Vogelschutzgebiet, in dem das Festmachen verboten ist; jenseits einer schmalen Enge lockt die malerische Helena-Insel mit ihren Sandufern.
Kormoraninsel — gespenstische weiße Bäume
Ebenfalls im Dobener See liegt Wysoki Ostrów, bekannt als Kormoraninsel — ein kleines, rund zwei Hektar großes Schutzgebiet, in dem Kormorane und Graureiher nisten. Mit der Zeit ließ der Vogelkot die Bäume absterben, sodass die Insel von kahlen, weißlichen Ästen starrt und von Weitem gespenstisch wirkt. Anlegen ist verboten, und der ganze See ist eine Ruhezone — gesegelt wird hier nur ohne Motor, was die raue, wilde Stimmung des Ortes verstärkt.
Upałty — eine gräfliche Insel und eine verlorene Pyramide
Die größte Insel Masurens ist Upałty im Mauersee (Mamry) mit einer Fläche von über 67 Hektar. Bis 1945 gehörte sie der Familie Lehndorff aus Sztynort (Steinort), und vor dem Krieg pulsierte hier das Leben: ein elegantes, europaweit bekanntes Restaurant, ein Park mit Alleen, ein Forsthaus und Miethäuschen. Am meisten fasziniert jedoch die Geschichte der Pyramide — einer der Grafen von Lehndorff errichtete auf der Insel eine dreizehn Meter hohe Pyramide zu Ehren des Grafen Henckel von Donnersmarck. Heute ist von ihr keine Spur mehr, ebenso wenig wie vom einstigen Kurort; geblieben sind nur das Grab des Ornithologen August Quednau und über zweihundert Jahre alte Bäume. Kurioserweise war Upałty vor etwa dreihundert Jahren noch mit dem Festland verbunden — die Untiefengürtel rund um die Insel erinnern daran. Heute ist sie ein strenges Reservat, in dem unter anderem der Seeadler nistet.
Grajewska Kępa und die Legende vom verzauberten Frosch
Direkt bei Giżycko, im Löwentinsee (Niegocin), liegt die kleine Grajewska Kępa. Mit ihr verbindet sich eine wehmütige Legende über die unglückliche Liebe der schönen Galindia zu einem Jüngling, den eine eifersüchtige Hexe in einen Frosch verwandelte. Es ist eine von vielen masurischen Erzählungen, in denen sich Natur, Liebe und Magie verflechten — und Sie sehen das Eiland, wenn Sie aus Giżycko auf den Niegocin hinausfahren.
Vogelreservate — Inseln, die man nicht betreten darf
Viele masurische Inseln sind Vogelrefugien unter Reservatsschutz. Im Rhein-See (Jezioro Ryńskie) liegt die vier Hektar große Vogelinsel „Goła Zośka”, seit 2012 ein Reservat und Brutplatz von Lachmöwen. Auf Kisajno verbirgt sich zwischen alten Bäumen Dębowa Górka — ein Reservat an der malerischen Schwanenroute, wo das Festmachen ebenfalls verboten ist. Der ganze Archipel auf Mamry und Kisajno bildet das Reservat „Inseln im Mauersee und Kisajno”. Die Regel ist einfach und gilt für jeden Segler: Solche Inseln bewundert man vom Deck, geht nicht an Land und stört die Vögel nicht.
Smętek — der Geist, der über Masuren wacht
Eine Gestalt verbindet all diese Geschichten: Smętek, der masurische Dämon des Volksglaubens, ein boshafter Geist, der die Menschen plagt, wohl ein Überrest einer vorchristlichen Gottheit. Berühmt machte ihn Melchior Wańkowicz mit seiner Reportage „Na tropach Smętka” (Auf den Spuren des Smętek) von 1936, in der Smętek zugleich eine Figur des Glaubens und ein Symbol für das schwere Schicksal dieses Landes ist. Genau diese dichte, geheimnisvolle Stimmung verlieh fast jeder masurischen Insel ihre eigene Legende.
Sehen Sie die masurischen Inseln vom Deck einer Yacht
Am besten entdeckt man diese Orte vom Wasser aus — vorbei an Czarci Ostrów im Spirdingsee, mit Blick auf die gespenstischen Bäume der Kormoraninsel oder das bewaldete Upałty. Sie müssen nur aus Giżycko oder Mikołajki auslaufen. Bei NaCzarter prüfen Sie die Verfügbarkeit der Yachten und buchen online — die masurischen Inseln und ihre Legenden warten.



